Coronavirus

IHS-Experte: Lockdown zu spät gesetzt

Der Gesundheitsökonom des Instituts für Höhere Studien (IHS), Thomas Czypionka, geht angesichts der hohen Todesfallzahlen davon aus, dass der Lockdown zu spät gesetzt wurde. „Man hätte den Lockdown früher machen müssen“, sagte Czypionka im Gespräch mit der APA. Klar ist aus seiner Sicht allerdings auch, dass die Sterbefälle ohne die Covid-Maßnahmen deutlich höher liegen würden.

red/Agenturen

Bei der ersten Infektionswelle im Frühjahr sei die Übersterblichkeit wegen des frühen Lockdowns im Rahmen geblieben. Jetzt gebe es eine relativ hohe Übersterblichkeit in Österreich, „weil man ein bisschen zu spät reagiert hat“. Allerdings, so der Gesundheitsexperte: „Hätten wir nicht reagiert, wäre die Übersterblichkeit viel, viel höher.“

„Der Lockdown ist gekommen, als man gesehen hat, dass die Zahlen deutlich höher als die Prognosen sind“, sagt Czypionka. Der Eingriff sei eine oder zwei Wochen zu spät erfolgt. Deutschland habe vergleichsweise früher reagiert. Außerdem habe sich Deutschland besser auf den Herbst vorbereitet.

Allerdings plädiert Czypionka dafür, nicht ausschließlich auf die Sterbefälle zu achten, sondern auch auf die Spätfolgen für die wieder gesundeten Patienten. „Gerade bei jüngeren Menschen sind Spätfolgen möglich“, verweist der Gesundheitsexperte auf das Phänomen des „Long Covid“, also Fälle mit schweren Nachwirkungen. Viele Patienten seien auch nach der Erkrankung deutlich in ihrer Fitness eingeschränkt. Aber auch die Anfälligkeit für andere Infektionskrankheiten könne steigen. Man dürfe daher „nicht nur auf die Übersterblichkeit schauen“.

WEITERLESEN:
Regierung lockert den Lockdown