Coronavirus

Ärzte werfen türkischer Regierung Versagen in Pandemie-Politik vor

Angesichts steigender Corona-Fallzahlen haben Ärztevertreter in der Türkei die Pandemie-Politik der Regierung scharf kritisiert. Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus basierten nicht auf Wissenschaft, kritisierte die Türkische Ärztevereinigung (TTB) am Donnerstag. Etwa seien alle möglichen Aktivitäten der Opposition verboten worden, während die Regierungspartei AKP Kundgebungen abhalten konnte, ohne sich an Abstandsregeln zu halten.

red/Agenturen

Die Tatsache, dass Ankara lange keine vollständigen Fallzahlen veröffentlicht habe, habe die Verbreitung des Virus gefördert, hieß es in der Erklärung weiter. Die TTB, die sich um Transparenz bemühe, werde dagegen „kriminalisiert“. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Ärztevereinigung im Oktober scharf attackiert.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem Land mit den 83 Millionen Einwohnern lag am Mittwoch bei 31 712. Innerhalb von 24 Stunden starben nach Angaben von Gesundheitsminister Fahrettin Koca 217 Menschen an oder mit Covid-19. Die Regierung hatte die Corona-Restriktionen zuletzt verschärft und unter anderem Ausgangssperren über die Wochenenden und an Abenden erlassen.

„Wir denken, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind“, sagte der Generalsekretär der TTB in Istanbul, Osman Kücükosmanoglu, der Deutschen Presse-Agentur. Die Situation sei „außer Kontrolle geraten“. In staatlichen Krankenhäusern gebe es keinen Platz mehr. Die TTB fordere einen vierwöchigen Lockdown.

Die Vorsitzende der Vereinigung der Intensivkrankenschwestern, Ebru Kiraner, zeigte sich ebenfalls besorgt. Auf Covid-Intensivstationen gebe es kein freies Bett. „Sie sind voll und sogar überfüllt“, sagte sie der dpa. Einige Patienten müssten auf Liegen behandelt werden, zudem gebe es zu wenig Intensivpersonal.

Koca präsentierte am Mittwochabend Zahlen, nach denen in den Krankenhäusern großer Städte nicht alle Betten belegt seien. Über die Wirkung der Maßnahmen könne man erst kommende Woche eine Aussage treffen, sagte er. Auch über eventuelle Verschärfungen werde man erst dann entscheiden.