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Coronavirus

Aufregung um künftige Antigentests beim Hausarzt

Niedergelassene Ärzte können ab Donnerstag in ihren Praxen Covid-19-Antigentests durchführen. Eine entsprechende Verordnung des Gesundheitsministeriums wurde am Mittwoch veröffentlicht. Patienten mit Symptomen können künftig nach telefonischer Terminvereinbarung den Abstrich beim Hausarzt abnehmen lassen, sofern dieser am freiwilligen Programm teilnimmt. Die Testkosten übernimmt die Sozialversicherung, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Die Ärztekammer begrüßt diese Lösung zwar als „eine gute Option“, sieht die praktische Durchführbarkeit aber mit Skepsis.

red/Agenturen

Liefert ein Antigentest ein positives Ergebnis, muss dieses mittels PCR-Test bestätigt werden – weil die Antigentests noch nicht sensitiv genug sind. An der Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums nahmen auch zwei Ärzte teil, die sich beide optimistisch zeigten, dass genug Mediziner sich an den Testungen beteiligen werden. „Die Möglichkeit zu testen, macht uns das Leben sehr viel leichter“, konstatierte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Wolfgang Mückstein, Leiter des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf, hat in den vergangenen drei Wochen in einem Probebetrieb in seiner Praxis bereits rund 100 Patienten getestet. „Die Vorteile liegen auf der Hand, das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich einfach durchzuführen“, berichtete er. Tests gebe es genug. Die Lieferung dauert „ein paar Tage“, sagte Mückstein, der sich sicher war, „dass genug Ärzte“ mitmachen werden.

Ärztekammer begrüßt Antigentests, zeigt sich aber kritisch bei Umsetzung

Für die Ärztekammer ist dies „eine gute Option“, wenn die Testungen freiwillig und unter Rahmenbedingungen, dass weder Gesundheitspersonal noch andere Patienten angesteckt werden können, erfolgen, sagte Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. In Wien sind dafür Containerlösungen angedacht.

Die Testungen müssen nach telefonischer Voranmeldung in eigenen Räumen und/oder zeitlich von anderen Patienten getrennt erfolgen. Das geht am Land „viel einfacher“, Abstriche können in Landarztpraxen beispielsweise im Garten genommen werden, erläuterte Szekeres. „In Wien hat die Mehrheit der Kollegen Bedenken wegen zu kleiner Ordinationsmöglichkeiten, diese befinden sich oft in Gemeindebauten“, sagte Szekeres. Dass sich Infizierte etwa in Treppenhäusern gegenseitig anstecken, muss vermieden werden.

In der Bundeshauptstadt gibt es deshalb Verhandlungen über Containerlösungen, die als Infektionsambulanzen dienen und in denen Abstriche bei Patienten genommen werden können. „Die ersten drei werden demnächst aufgestellt werden“, kündigte der Szekeres an. Im Endausbau soll es in Wien 30 derartige Container geben. Betrieben werden sollen sie vom Ärztefunkdienst.

Allerdings ergänzte der Ärztekammerpräsident in einer Aussendung, dass „die Verordnung des Ministers nicht im Einvernehmen mit der Kammer erlassen worden war, wesentliche Gespräche wurden nicht zu Ende geführt oder gar nicht mit uns gesucht. Die für Wien geplante Lösung mit Containern ist noch nicht fertig verhandelt.“

Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte kritisiert, dass zwar „Testungen bei Hausärzten auf freiwilliger Basis ein gutes Mittel in der aktuellen Pandemiesituation sind. (...) In der konkreten Frage ist aber noch nicht einmal geklärt, welche und wie viele Ärztinnen und Ärzte mitmachen, die Abrechnung ist noch unklar – ja nicht einmal die Tests stehen schon zur Verfügung.“


Verordnung

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