Coronavirus

Containment: Der Bruch der Infektionskette 

Containment, also die Eindämmung des Cornavirus, gilt als zentrale Strategie, die Ausbreitung der Epidemie zu verlangsamen und langfristig einzugrenzen. Ziel ist es, Infizierte so schnell wie möglich zu identifizieren und zu isoliert, damit sie keine weiteren Personen mehr anstecken können. Waren dies am Beginn der Corona-Welle meist 15 bis 20 Personen, beliefen sich die Zahlen zuletzt oft auf nur noch wenige Kontakte pro Erkranktem.

red/Agenturen

„Hier sollte keine Zeit verschwendet werden. Das Containment muss sofort geschehen, weil jeder weitere enge Kontakt potenziell zu einer weiteren Infektion führen kann“, erklärte Reinhild Strauss, Leiterin der Abteilung Öffentlicher Gesundheitsdienst im Gesundheitsministerium, im APA-Gespräch. Je mehr Menschen infiziert seien, desto schwieriger werde es, konsequent alle Infektionsketten zu unterbrechen. Containment ist eine Strategie, die im Grunde bei allen Epidemien angewendet wird, nicht nur bei Covid-19.

Die Vorgehensweise ist in Österreich dabei genau festgelegt. Die Gesundheitsbehörden – konkret sind das die Amtsärzte in den Bezirkshauptmannschaften – beginnen schon bei einer Verdachtsdiagnose mit der Erhebung der Kontaktpersonen. Potenziell infizierte Personen werden über ihren Aufenthaltsort und Kontakt zu anderen Menschen befragt. In vollem Umfang passiert das in der Praxis aber erst mit Vorliegen eines positiven Tests. Wenn die ersten Krankheitssymptome schon länger zurückliegen, kann die Recherche mitunter schwierig sein. „Etwa wenn sich jemand nicht mehr erinnern kann, mit wem – insbesondere enger – Kontakt bestanden hat“, sagte Strauss.

Im Fokus stehen dabei all jene Menschen, mit denen ein Erkrankter in den 48 Stunden vor Ausbruch der Symptome in Verbindung stand. „Das ist nach aktuellem Wissensstand bereits die infektiöse Phase, in der eine Ansteckung stattfinden kann“, erklärte Strauss. Bei den Kontakten unterscheiden die Behörden in zwei Gruppen. Als „Kategorie I“ gelten laut offizieller Definition all jene, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren. Menschen, die im gleichen Haushalt leben, die von Erkrankten angehustet worden sind oder ihnen die Hände geschüttelt haben, aber auch Personen, die sich länger als 15 Minuten mit weniger als zwei Metern Abstand zu einem Infizierten in einem Raum aufgehalten haben.

Diese Personen werden für 14 Tage in Heimquarantäne geschickt. Der Amtsarzt kontaktiert sie, um zunächst die Angaben des Erkrankten zu verifizierten und veranlasst dann per Bescheid – zuerst mündlich, dann schriftlich – die Isolierung. „Diese gilt sofort“, betonte Arno Brugger, Amtsarzt im Salzburger Bezirk Zell am See. „Die Betroffenen sollten umgehend ihren Arbeitsplatz verlassen und auch nicht mehr Einkaufen gehen.“ Wer in Quarantäne ist, darf die Wohnung nicht mehr verlassen und muss seinen Gesundheitszustand durch zweimaliges Fiebermessen am Tag überwachen.

Während am Beginn der Corona-Welle oft 15 bis 20 Personen als Kontakte der Kategorie I genannt worden seien, habe sich die Zahl mittlerweile stark reduziert, erklärte Brugger. „Zuletzt waren es oft nur noch zwei oder drei Kontakte – und teilweise sogar Null.“ Ein Indiz dafür, dass das „Social Distancing“ wirke.

Daneben gibt es noch Personen der „Kategorie II“. „Das sind Menschen, die nur flüchtigen Kontakt hatten, sich etwa im gleichen Raum aufhielten, aber dem Erkrankten nicht näher kamen oder nicht mit ihm gesprochen haben.“ Hier stellt die Behörde keinen Bescheid aus, informiert die Betroffenen aber offiziell und legt ihnen für 14 Tage Auflagen nahe. „Da geht es darum, die sozialen Kontakte oder die Nutzung von Öffis freiwillig stark zu reduzieren“, sagte Brugger. „Das ist aber etwas, was durch die Erlässe der Bundesregierung derzeit ohnehin gilt.“

Die „Stopp Corona“-App des Roten Kreuz sieht der Amtsarzt aus dem Pinzgau als wichtige Unterstützung bei der Kontakterhebung. "Aber sie ersetzt das Gespräch zur detaillierten Abklärung nicht. Der Bescheid schränkt die Rechte von Betroffenen stark ein, darum ist es wichtig, hier sorgfältig vorzugehen“, so Brugger. Wenn isolierte oder verkehrsbeschränkte Personen Symptome einer Covid-19-Erkrankung zeigen, gelten sie übrigens umgehend selbst als Verdachtsfall. Sie müssen die Behörden informieren, die einen Test veranlassen. Bei einem negativen Ergebnis laufen die Einschränkungen bis zum Ende der 14 Tage weiter, ein positiver Test führt dazu, dass seinerseits das nahe Umfeld des Neuerkrankten in Quarantäne muss.

Damit Containment funktioniert, ist rasches Testen wichtig. „Je kürzer die Verarbeitungszeit bei den PCR-Tests, die das Virus ganz spezifisch nachweisen, umso besser“, erklärte Strauss. Von Bedeutung wäre es auch, dass ehestmöglich valide Antikörpertests zum Einsatz kommen, um die Immunität spezifisch für SARS-CoV-2 nachweisen zu können. „Das wäre gerade bei Schlüsselpersonal wichtig. Spitalsmitarbeiter könnten dann etwa wieder arbeiten gehen, weil sie für eine Weile immun wären.“