Medikamente

Doping im Job: Zahlen steigen mit dem Alter

Rund zwei Prozent der Beschäftigten in Deutschland nehmen eigenen Angaben zufolge regelmäßig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente, um fit am Arbeitsplatz zu sein. Dies entspreche rund 700.000 Arbeitnehmern, so die Krankenkasse DAK. Besonders häufig greifen demnach Menschen ab 60 Jahren zu solchen Medikamenten.

red/Agenturen

Für die Studie wurden laut DAK 5500 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren gefragt, ob und wie sie ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen. Insgesamt 1,8 Prozent der Befragten gaben demnach an, zu den Medikamenten zu greifen. Hochgerechnet auf alle Arbeitnehmer in Deutschland entspreche dies rund 700.000 Menschen. Im Jahr 2014 hatten 1,9 Prozent der Befragten angegeben, die Substanzen zu konsumieren.

Am verbreitetsten ist Doping für den Job demnach bei den 60- bis 65-jährigen Arbeitnehmern. 4,4 Prozent von ihnen sagten, sie hätten innerhalb der vergangenen Monate mindestens einmal leistungssteigernde Medikamente genommen. Das seien ein Drittel mehr als im Durchschnitt (3,3 Prozent). Insgesamt steigt der Anteil mit dem Alter an: So griffen bei den 18- bis 29-jährigen Arbeitnehmern 2,5 Prozent mindestens einmal im Jahr zu den Medikamenten für den Job, bei den 30- bis 49-jährigen seien es 3,2 Prozent. Massenphänomen sei der Medikamentenmißbrauch aber weiterhin keines, so Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit.

Ein Viertel „dopt“ sich, um genug Energie für Freizeit zu haben

Jeder Zweite nutzt die Medikamente den Angaben zufolge, um berufliche Ziele besser zu erreichen. Etwa jeder Dritte nennt als Grund, die Arbeit gehe mit den Medikamenten leichter von der Hand. Mehr als jeder Vierte (27,1 Prozent) greift zur Pille, um nach der Arbeit noch Energie und gute Laune für Privates zu haben.

Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und Wissenschaftlicher Leiter des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung, warnte vor zu hohen Erwartungen an die Mittel: „Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit“. Er warnte vor gesundheitlichen Schäden: Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen seien nicht selten. Darüber hinaus seien mögliche Langzeitfolgen noch „völlig unklar“.

 

 

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