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Coronavirus

EU-Länder inklusive Österreich schalten auf rot

Ab Freitag ist Österreich komplett rot: Die Corona-Kommission hat am Donnerstagnachmittag in ihrer Sitzung für alle Bezirke und Regionen Österreichs ein sehr hohes Infektionsrisiko festgestellt. Damit sind auch die letzten gelben und orangen Flecken auf der Landkarte verschwunden. Am Donnerstag gab es erstmals über 7.000 Neuinfketionen innerhalb von 24 Stunden. Auch die EU-Länder sind fast geschlossen rot. 

red/Agenturen

Nach dem Sprung auf über 6.000 Fälle am Mittwoch, ist am Donnerstag mit 7.416 SARS-CoV-2-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Österreich der zu erwartende nächste Höchstwert vermeldet worden. Mit Stand 9.30 Uhr meldete das Innenministerium 2.737 Personen, die aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung waren, davon 407 auf Intensivstationen. Erstmals gibt es auch über 50.000 aktiv Infizierte. Neuinfektionen im vierstelligen Bereich vermeldeten Nieder- und Oberösterreich mit 1.053 bzw. 1.540 sowie Wien mit 1.231 positiven Test. Die restlichen Bundesländer teilen sich wie folgt auf: Burgenland: 233, Kärnten: 338, Salzburg: 497, Steiermark: 987, Tirol: 828 und Vorarlberg: 709.

Ab Freitag werden auch die letzten gelben und orangen Flecken auf der österreichischen Ampel-Landkarte verschwunden sein. Die Corona-Kommission hat in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittag alle Bezirke und Regionen auf Rot gestellt, damit ist überall im Land das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus sehr hoch.
https://corona-ampel.gv.at 

407 Fälle pro 100.000 Einwohner betrug die heutige Sieben-Tage-Inzidenz am AGES-Dashbord, auf 236,2 lag sie vergangene Woche, als die Ampel-Kommission einen Tag darauf das gesamte Bundesgebiet auf Rot geschaltet hatte. Die Kommission werde sich nun auf Ersuchen des Gesundheitsministers mit der Evaluierung der Maßnahmen des Lockdowns begleitend erfassen. In den vergangenen sieben Tagen ist die Zahl der Corona-erkrankten Personen in intensivmedizinischer Betreuung um 70 Prozent gestiegen, hieß es in einer Aussendung aus dem Ressort. Eine aktuell vorgelegte Prognose zeige, dass sich diese Situation auf dem bestehenden Niveau in den nächsten Tagen nicht bessern werde, die positiven Auswirkungen des Lockdowns werden sich erst nach zehn bis 14 Tagen in der Statistik niederschlagen. Der Anteil an positiven PCR-Tests war jedenfalls am Mittwoch weiterhin alarmieren hoch und lag bei über 21 Prozent.

Angesichts der weiter steigenden Zahl an Corona-Patienten wurde an der Innsbrucker Klinik und am Landeskrankenhaus Hall stufenweise damit begonnen, erste Eingriffe zu verschieben, wie die tirol kliniken am Mittwoch in einer Aussendung mitteilten. Diese Maßnahme sei notwendig geworden, um ausreichende Kapazitäten für Covid-Patienten zur Verfügung zu haben, hieß es. Bereits am Dienstag wurde in drei Vorarlberger Krankenhäusern damit begonnen, das Operationsprogramm schrittweise zu reduzieren

Verlagerung der Hotspots

Die aktuellen Hotspots bei der Ausbreitung des Coronavirus haben sich innerhalb der vergangenen sieben Tage jedenfalls verlagert und liegen nur noch zum Teil in Westen: Vorarlberg liegt nun bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 579,6 nach 351,0 in der Vorwoche, Tirol stieg in sieben Tagen von 331,5 auf 502,0 und Salzburg von 307,3 weniger stark auf 442,7. Den zweitgrößten Wert bei den Bundesländern hat inzwischen jedoch Oberösterreich mit 520,0 erreicht, nach 284,5 in der Vorwoche hat sich hier die Zahl der Corona-Fälle in nur einer Woche fast verdoppelt

Ab nächster Woche sollte sich langsam zeigen, wie sehr der seit zwei Tagen gültige Lockdown Wirkung entfalten kann, im Vergleich mit der Vorwoche hat sich die Lage jedenfalls noch weiter verschärft, mit regionalen Spitzen bis zu 883,1 im oberösterreichischen Eferding, 872,8 in Schwaz in Tirol oder 841,9 in Dornbirn liegen hier die regionalen Hotspots in Österreich. Ganz im Osten zeigt Eisenstadt mit 674,9 einen Spitzenwert, Wien liegt mit 286,3 sogar unter dem Durchschnitt Österreichs: Im September war die Lage noch konträr und die Bundeshauptstadt galt als alleiniger Abweichler in der ansonsten noch recht guten Gesamtsituation.

Gesamte EU bis auf wenige Ausnahmen rot

Auch alle EU-Länder bis auf Finnland werden von der EU-Corona-Ampel mit der höchsten Warnstufe rot bewertet. Laut dem Update von Donnerstag werden neben Finnland nur einzelne Regionen Griechenlands sowie die zu Portugal gehörenden Azoren auf der EU-Karte zur Einschätzung der Corona-Situation orange eingestuft. Grünes Licht gibt es einzig und allein für Dänemarks autonomes Territorium Grönland.

Grau erschienen am Freitagmorgen Liechtenstein und die Slowakei, was bedeutet, dass der EU-Gesundheitsagentur ECDC noch nicht genug Informationen für eine Neubewertung vorliegen. Die sogenannte EU-Corona-Ampel wurde nach einem Beschluss des EU-Rates geschaffen, um die Beschränkungen der Reisefreiheit zur Eindämmung der Coronapandemie innerhalb der EU besser zu koordinieren. Da es sich dabei um eine Empfehlung handelt, an die die EU-Länder nicht gebunden sind, wird daran kritisiert, dass die Karte nichts zu einer Harmonisierung nationaler Regelungen beitrage.

In ganz Europa stiegen in den vergangenen Wochen die Infektionszahlen rasant, die in den einzelnen EU-Ländern getroffenen Maßnahmen sind unterschiedlich. Am 19. November werden sich die EU-Staats- und Regierungschefs virtuell treffen, um erneut über das Pandemiegeschehen und eine Antwort darauf zu beraten.

 

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