Frauen und Mädchen besonders verletzlich im Krieg

Frauen und Mädchen sind in den Wirren des Ukraine-Krieges besonders verwundbar. Über 23 Millionen Ukrainerinnen sind aktuell betroffen - und wenn sie die riskante Flucht geschafft haben, warten weitere Gefahren auf sie. „Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet, im Kriegsgebiet oder auf dem Fluchtweg Opfer sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu werden“, sagte Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, anlässlich des Internationalen Frauentags am Montag.

red/Agenturen

„Es sind die Frauen, die sich in Krisenzeiten mutig um das Überleben und die Sicherheit ihrer Familien wie auch ihrer Mitmenschen kümmern“, sagte auch Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Hilfsorganisation Jugend Eine Welt in einer Presseaussendung. In der Ukraine würden Frauen ihre Kinder in Sicherheit bringen, sich um zurückbleibende Senioren, um Kranke und Gebrechliche kümmern. Dabei würden sie tagtäglich ihre eigene körperliche und seelische Unversehrtheit gefährden, so Heiserer. Denn in Notzeiten seien Frauen und Mädchen vermehrt brutaler Gewalt, Diskriminierung und Unrecht ausgesetzt. Ihre Rechte würden eingeschränkt.

„Das passiert nicht nur jetzt in der Ukraine, sondern auch in anderen aktuellen Konfliktregionen wie in Afghanistan, im Jemen oder in Äthiopien“, so Heiserer. Trotzdem würden sich Frauen beständig und mutig für Frieden einsetzen. Hilfe für Frauen und ihre Kinder bietet Jugend Eine Welt gemeinsam mit dem Don-Bosco-Netzwerk in der Ukraine sowie in den Nachbarländern. Zehn Schwestern sind aktuell in drei ukrainischen Gemeinschaften in der Hauptstadt Kiew, in Odessa und in Lviv präsent. Mit knappen Mitteln versuchen sie, Essen und warme Getränke auszugeben. Die Schwestern nähen laut Angaben der Hilfsorganisation aus Leintüchern und Tischdecken Verbandzeug für Verwundete. Weitere Spenden würden dringend benötigt.

Die gesamte Bevölkerung der Ukraine leide natürlich unter dem Krieg, die Auswirkungen seien aber zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt, hieß es von Brot für die Welt. Für Frauen und Mädchen müsse auf der Flucht und „in den Aufnahmestaaten dringend besondere Unterstützung sichergestellt werden“, so Pruin. Sie mahnte, dass es ohne die Überwindung geschlechtsspezifischer und struktureller Gewalt und Unterdrückung keine dauerhaft friedlichen Gesellschaften geben werde.

Untersuchungen würden zeigen, dass bewaffnete Konflikte die Zunahme von Gewalt gegen Frauen begünstigen. „Kriegstraumata bei Soldaten können zu verstärkter Gewalt gegen Frauen und Kinder führen. Verschärft wird dies durch die Zementierung traditioneller Geschlechterrollen, wenn Frauen und Kinder fliehen und Männer an den Fronten zurückbleiben“, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, fordert schnelle und unkomplizierte Hilfe für Frauen und Kinder, die Schutz in Deutschland suchen: „Das sind nicht nur Wohnmöglichkeiten, sondern auch Informationen über ihre Rechte sowie professionelle Unterstützung und Begleitung.“ Zudem müsse ein einfacher Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen sichergestellt werden.

Gemeinsam appellieren Brot für die Welt und die Diakonie Deutschland an die deutsche Regierung und die europäische Staatengemeinschaft, Organisationen in der Ukraine, die sich für die Rechte und Sicherheit von Frauen und Mädchen stark machen, finanziell und politisch zu unterstützen. Zudem solle ein schneller und unbürokratischer Zugang zu psychosozialen Leistungen geschaffen werden.