Coronavirus

Massentests: Bundesländer auf völlig unterschiedliche Planungsstufen

Die Vorbereitungen für die Corona-Massentests befinden sich in den neun Bundesländern auf völlig unterschiedlichen Planungsstufen. Das zeigt eine Zwischenbilanz des Bundesheeres, das – ebenfalls in unterschiedlicher Intensität – eingebunden ist. So sind die Planungen in Vorarlberg und dem Burgenland schon sehr weit gediehen, während in Wien, der Steiermark und Kärnten sehr vieles noch offen ist.

red/Agenturen

Ursprünglich war es geplant, dass am 5./6. Dezember alle 200.000 Lehrer und Kindergartenpädagogen und am 7./8. Dezember alle 40.000 Polizisten getestet werden. Massentests für die Bevölkerung waren erst für das Wochenende vor Weihnachten (19./20. Dezember) geplant gewesen. Organisation und Planung sollte federführend vom Bundesheer bewerkstelligt werden. Am Mittwoch preschten jedoch mehrere Bundesländer vor und kündigten an, früher zu testen und sich das Ganze zum Teil selber zu organisieren. Auch die Polizei verzichtet auf die Unterstützung des Heeres und organisiert ihre Test mithilfe des Roten Kreuzes selbst: Details dazu soll es am Freitag geben.

Vorarlberg und Tirol testen die Bevölkerung schon am 5. und 6. Dezember, Salzburg und Kärnten eine Woche später am 12. und 13. Dezember. Argumentiert wird das Vorziehen unter anderem damit, dass die positiv Getesteten bis Weihnachten aus der Quarantäne wieder entlassen werden und normale Weihnachten feiern können.

Die Stadt Wien kündigte erst am Donnerstag an, dass sie die Corona-Massentests der Bevölkerung bereits Anfang Dezember starten und zwischen 2. und 13. Dezember über die Bühne bringen wird. Man rechnet mit einer Teilnahme von maximal 1,2 Millionen Menschen. Die Abwicklung wird in Kooperation mit dem Bundesheer an drei großen Standorten erfolgen: In der Wiener Stadthalle, in der Marxhalle im Bezirk Landstraße sowie in der Messehalle beim Prater werden insgesamt 300 Testlinien nach dem Walk-in-Prinzip errichtet. An allen drei Massentest-Standorten sollen pro Tag bis zu 150.000 Personen getestet werden.

Eine aktuelle Zwischenbilanz des Bundesheeres zeigt, dass die Planungen in den Bundesländern sehr unterschiedlich verlaufen. Vorarlberg ist praktisch mit den Planungen fertig: Es sind 80 Teststationen für jeweils 5.000 Menschen, wovon 2.000 bis 3.000 zur Testung erwartet werden, geöffnet von 7 bis 17 Uhr, geplant. Der Auf- und Abbau erfolgt durch die Feuerwehren. Der Betrieb der Stationen wird vorrangig von zivilen Einsatzorganisationen und Gemeinden übernommen, die Abnahme erfolgt durch zivile Einsatzorganisation und einzelne Rettungssanitäter des Bundesheeres. Die IT liefert das Land selbst. Alle Schnelltest-Positiven werden ab 17 Uhr zum PCR Test an dieselben Teststationen wie bei den Schnelltests gebeten.

Aufgabe des Bundesheeres ist dabei der Transport der Testkits sowie der Schutzausrüstungen zu den 80 Teststationen sowie der Rücktransport von nicht verbrauchten Kits in das Zentrallager sowie die Einsammlung der PCR-Tests an jedem Testtag von allen 80 Teststationen und Transport zum Labor.

Derart konkrete Ablaufpläne gibt es in Tirol noch nicht. Diese werden gerade erstellt. In Salzburg sind für die Lehrertestungen derzeit sechs Teststraßen mit 18 Testspuren geplant. Der Testkit-Bedarf für die Massentestungen am 12./13. Dezember wird gerade abgeklärt. Auch der Bedarf des Testpersonals wird derzeit noch erhoben. Offen ist zudem die noch ausständige Hard- und Software für die Testungen. In der Steiermark und Kärnten wird erst der Bedarf an Teststationen und Testspuren sowie Standorten erhoben und geplant.

Die Erkundung und Festlegung der Teststraßen in Niederösterreich ist zum Großteil abgeschlossen und wird in Abstimmung mit dem Land fixiert. Niederösterreich plant bei allen Antigen-Test-Positiven am selben Tag einen PCR-Test durchzuführen. Wenn die Online-Buchung wie geplant funktioniert, dann soll es die Möglichkeit geben, sich auch außerhalb seines Wohnbezirkes testen lassen zu können. Offen ist auch hier noch die Hard- und Software für die Testungen.

In Oberösterreich gelten die Testungen der Lehrer als Probedurchlauf für die darauffolgenden Massentestungen. Derzeit werden die verfügbaren Teile des Militärkommandos Oberösterreich für die Massentestung der Lehrer beurteilt und in Zusammenarbeit und Absprachen mit der Landesamtsdirektion, Bezirksbehörden und Statutarstädten die Teststationen und Teststraßen geplant. Nach derzeitigem Stand dürften die Pflichtschulen dafür herangezogen werden. Der Testbedarf im Bildungsbereich wird derzeit auf ca. 33.400 Personen geschätzt.

Im Burgenland stehen Bundesschulen als Teststationen zur Verfügung. Zivile Einsatzorganisationen bereiten ein Konzept für die Musterteststation vor. Für die Lehrertests gibt es insgesamt 8.000 zu Testende, es wird geschätzt, dass ungefähr 90 Prozent an den Testungen teilnehmen und ungefähr 7.100 Personen bei den Tests am 5. und 6. Dezember teilnehmen werden. Für die Testungen bedarf es zehn Teststationen: In allen sieben Bezirkshauptstädten sowie zusätzlich drei in Eisenstadt, Neusiedl und Oberwart. Bis Ende der Woche sollen die Standorte der Teststationen festgelegt werden.

Pro Teststation werden rund zehn Mann benötigt, darunter Sanitäter und anderes Personal des Bundesheeres sowie der zivilen Einsatzkräfte. Es gibt bereits freiwilligen Meldungen für die Unterstützung der Massentestung, der Einsatz der Helfer soll kommende Woche entschieden werden. Die notwendige IT-Ausrüstung für die Teststationen wird über die Bildungsdirektion bereitgestellt. Der genaue Ablauf für Abnahme Test ist derzeit noch in Planung.

Bei den darauffolgenden Massentestungen werden 100.00 –150.000 Personen erwartet. Nach dieser ersten Einschätzung werden hierfür 100 bis 150 Teststationen im Burgenland benötigt, das entspricht 15 bis 25 pro Bezirk.

Tanner und Szekeres: „Gemeinsam schaffen wir das“

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres zeigten sich unterdessen optimistisch. In einem Telefonat haben sie sich über die Herausforderungen der Massentestungen besprochen und sind überzeugt: „Gemeinsam schaffen wir das“.

„Testen ist prinzipiell sinnvoll. Schließlich können auch symptomlose Menschen ansteckend sein - die Antigen-Schnelltests können hier dazu beitragen, das Umfeld dieser Personen zu schützen", sagte Szekeres. "Wenn man durch die Massentests infektiöse Menschen identifizieren kann, ist das angesichts der aktuell hohen Fallzahlen eine gute Maßnahme, die wir gerne unterstützen.“ Er sei sehr froh, dass das Bundesheer hier seine Expertise und Professionalität in logistischen Fragen maßgeblich einbringen werde.

„Die Massentestungen sind ein sinnvolles Werkzeug, um dem dritten Lockdown entgegenzuwirken“, bekräftigte Tanner. Ein Schlüssel zum Erfolg sei die Zusammenarbeit der Ministerien, des Bundesheeres, der Länder, der Kommunen und auch der Blaulichtorganisationen.