Schwangerschaftsabbruch

Polnische Polizei rüstet sich für Massendemo gegen Abtreibungsverbot

Die Polizei in der polnischen Hauptstadt Warschau bereitet sich auf die größten Demonstrationen seit der Verschärfung des Abtreibungsverbots vor gut einer Woche vor. Da schon die bisherigen Kundgebungen sehr viel Zulauf gehabt hätten, würden von anderen Standorten zusätzliche Beamte angefordert, sagte Polizeisprecher Sylwester Marczak am Freitag.

red/Agenturen

In den vergangenen Tagen waren jeweils Zehntausende in mehreren Städten des Landes gegen das umstrittene Gerichtsurteil auf die Straße gegangen, das ein fast vollständiges Abtreibungsverbot zur Folge hat. Am Freitag erwartete die Gruppe „Strajk Kobiet“ (Frauenstreik) bei Kundgebungen in Warschau ab 17.00 Uhr Unterstützung aus ganz Polen.

Das polnische Verfassungsgerichts hatte am Donnerstag vergangene Woche Schwangerschaftsabbrüche bei Fehlbildungen des Fötus verboten. Dies war bisher die häufigste Indikation für einen legalen Schwangerschaftsabbruch. Jetzt ist Abtreibung nur noch erlaubt nach einer Vergewaltigung, bei Inzest oder wenn die Gesundheit der Schwangeren gefährdet ist. Bei den bisherigen Demonstrationen wurde deutlicher Unmut über die nationalistisch-konservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) laut. Kritiker des Urteils machen die PiS und die in Polen mächtige katholische Kirche für die Entscheidung verantwortlich. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki forderte am Donnerstag ein Ende der Massenproteste: Sie drohten die Corona-Pandemie weiter zu befeuern und so die ältere Bevölkerung zu gefährden, erklärte er zur Begründung.