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Coronavirus

Schweden will Testkapazitäten drastisch erhöhen

Die schwedische Regierung hat angekündigt, die Coronavirus-Testkapazitäten drastisch zu erhöhen. Angestellte in Schlüsselberufen wie Polizisten und Feuerwehrleute sowie Menschen mit starken Symptomen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollen in den kommenden Wochen vorrangig auf das Virus getestet werden, wie Gesundheitsministerin Lena Hallengren am Freitag mitteilte.

red/Agenturen

Die Testkapazitäten sollten schon bald auf 50.000 bis 100.000 Tests pro Woche ausgeweitet werden, sagte Hallengren. Bisher wurden demnach landesweit 75.000 Menschen auf den Erreger SARS-CoV-2 getestet.

Weitere Lockerungen in Dänemark angekündigt

Die staatliche Gesundheitsbehörde erklärte, zur Erhöhung der Testkapazitäten sollten in den kommenden Wochen Arbeitgeber verpflichtet werden, Test-Kits an ihre Angestellten auszugeben und so Proben einzusammeln. Zudem sollten auch Privatunternehmen zur Auswertung der Tests herangezogen werden.

Schweden verfolgt zur Eindämmung des Coronavirus einen Sonderweg. Auf strenge Ausgangsbeschränkungen hat die Regierung biher verzichtet. Stattdessen rief sie die Bevölkerung auf, den Empfehlungen von Gesundheitsbehörden freiwillig zu folgen. Zudem wurden Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern sowie Besuche in Seniorenheimen verboten. Landesweit wurden in Schweden bereits mehr als 12.500 Infektions- und 1.333 Todesfälle registriert.

Im Nachbarland Dänemark verkündete die Regierung am Freitag eine weitere Lockerung der Corona-Maßnahmen. Ab kommender Woche sollen demnach weitere Geschäfte wieder öffnen dürfen. "Niemand will Dänemark einen Tag länger geschlossen halten als zwingend nötig", schrieb Ministerpräsidentin Mette Frederiksen im Online-Dienst Facebook. "Wir dürfen aber nicht schneller handeln, als wir die Epidemie unter Kontrolle halten können", mahnte sie.

Bereits seit Mittwoch sind in Dänemark Grundschulen und Kitas teilweise wieder geöffnet. Friseure, Tattoo-Studios und Fahrschulen dürfen nun ab Montag wieder öffnen.

Schweden bleibt bei sanfter Eindämmungsstrategie 

Bei seiner im internationalen Vergleich sanften Eindämmungsstrategie gegen das Coronavirus will Schweden bleiben. Die schwedische Regierung verfolgt in der Pandemie bisher eine andere Strategie als die meisten anderen europäischen Staaten. In dem Land mit rund zehn Millionen Einwohnern gibt es keine Ausgangsbeschränkungen; Volksschulen, Restaurants und Bars blieben geöffnet.

Die Regierung rief die Menschen lediglich dazu auf, Abstand zu halten und nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Zudem gilt ein Versammlungsverbot für mehr als 50 Menschen sowie ein Besuchsverbot in Pflegeheimen.

Inzwischen strebt die Regierung erweiterte Befugnisse im Kampf gegen das Virus an. Sie will ohne Zustimmung des Parlaments öffentliche Versammlungen weiter einschränken und Geschäfte schließen lassen können. Die zusätzlichen Befugnisse würden zunächst nur für drei Monate gelten. Das Parlament muss dem Gesetzesentwurf noch zustimmen.

Mit seinem Sonderweg in der Corona-Krise zog Schweden international viel Kritik auf sich. Das Nachbarland Finnland kündigte am Dienstag eine Verschärfung seiner Grenzkontrollen an, unter anderem auch zu Schweden. Die Regierung in Helsinki hatte Mitte März den Notstand erklärt und die Grenze für Nicht-Finnen geschlossen, eine Ausnahme waren Berufstätige.

Am Dienstag kündigte die finnische Innenministerin Maria Ohisalo vor Journalisten an, neben einer Verlängerung der Maßnahmen bis zum 13. Mai würden nun die Quarantäne-Vorschriften für Einreisende verschärft. Arbeitnehmer aus dem Ausland müssten nun eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen und sich ebenfalls für 14 Tage in Quarantäne begeben.

Die durch Lappland verlaufende Landgrenze zwischen Finnland und Schweden wird normalerweise täglich von Tausenden Arbeitnehmern und Privatleuten überquert. Seit Beginn der Schutzmaßnahmen wird die Grenze immer noch von rund 2.000 Menschen passiert. Finnland zählt bisher rund 2.300 Infektionen mit dem Coronavirus und 27 Todesfälle.
 

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Schweden geht bislang mit freizügigeren Maßnahmen als etwa Österreich oder seine skandinavischen Nachbarn Dänemark und Norwegen gegen die Corona-Pandemie vor.
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