Coronavirus

Anschober: Phase 4 mit Risiko der zweiten Welle startet

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Dienstag, zum meteorologischen Herbstbeginn, bei seiner „Erklärung“ vor dem Risiko einer zweiten Welle der Coronapandemie in Österreich gewarnt: Mit der „Umsetzung der zentralen Maßnahmen“ wie Ampel und Mundschutz will man sie verhindern. Ebenso setze man auf die Influenzaimpfung - bis vielleicht im Jänner eine Impfung gegen SARS-CoV-2 kommt.

red/Agenturen

Er wisse, dass er sich mit einer derartigen Prognose weit hinauslehnen würde, aber nach der Phase 4, die mit dem Herbst starte, könnte im Jänner oder im Februar eine neue beginnen: In Österreich könnten erste Personen gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn man zuvor bis zum Jahreswechsel 600.000 Impfdosen für 300.000 Menschen erhalten würde: „Es sieht derzeit ganz gut aus“, sagte der Ressortleiter.

Mit den ersten Chargen sollen Mitarbeiter des Gesundheitsbereichs und in der Pflege geimpft werden. Insgesamt sollen fünf Impfstoffe verschiedener Hersteller zum Einsatz kommen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die von den Herstellern zugesagten Chargen auch eintreffen und diese auch rechtzeitig genehmigt werden. Ziel der Impfungen sei eine Entlastung des Gesundheitssystems, sie würden jedoch „nicht alle Probleme lösen“, warnte Anschober.

Ohnehin liege jetzt der Fokus auf der Gegenwart mit bereits wieder über 3.300 aktiven Fällen in Österreich: Denn „es kommen jetzt die Tage, wo man eine zweite Welle verhindern muss“, sagte Anschober und verwies darauf, dass einige EU-Staaten bereits davon ausgehen würden, dass diese Welle bereits da ist: „Wer sich die Geschichte der Pandemien ansieht“, erläuterte der Ressortleiter unter anderem mit Hinweis auf die Spanische Grippe mit mindestens 25 Millionen Todesfällen vor rund 100 Jahren, der sehe, dass die zweite Welle jeweils die stärkere war. Sie müsse daher mit aller Kraft vermieden werden.

„Schub an Transparenz“ bei Corona-Ampel 

Anschober hielt in seiner über einstündigen „Erklärung“ auch Rückschau auf das zurückliegende halbe Jahr mit Covid-19 in Österreich: Richtige Maßnahmen und eine eindrucksvolle Umsetzung von großen Teilen der Bevölkerung - und dazu „ein Comeback der Solidarität“ bilanzierte der Minister. Auch für sein Ressort selbst lieferte er eine Bilanz: 91 Verordnungen musste in sechs Monaten verwirklicht werden - und drei kamen in Kritik. 144 Rechtsakte gab es, 11.000 Anfragen in der Rechtsabteilung wurden beantwortet, 105.000 Anfragen kamen aus der Bevölkerung an das Ministerium, und dazu noch 333 schriftliche Anfragen.

Jetzt gelte es - nach einem Sommer mit Aufgeregtheit, Unruhe und gar „Grant“ - sich die „Säulen des Erfolgs“ wieder anzueignen. Der Kampf gegen Corona sei aber erst dann zu gewinnen, wenn zwei weitere Voraussetzungen dazu kommen: Wirksame Medikamente und eine gute Impfung. Die Corona-Ampel, die ab Freitag erstmals und dann wöchentlich geschaltet wird, stelle jedoch einen „Kulturwechsel“ in der Arbeit dar, denn statt der bisherigen Fallzahlen habe man mit ihr „eine viel breitere Risikoanalyse“ aufgrund der vier Indikatoren.

„Einen Schub an Transparenz“ versprach Anschober mit der Ampel, und man solle sich nicht wundern, wenn es am Freitag nicht gleich „Alarmfarben“ gebe, und selbst wenn, würde die rote Ampel noch keinen automatischen, neuerlichen Lockdown bedeuten. Im Falle einer derartigen Krisensituation gingen die vorigen Schritte - wie gestern angekündigt - über die Regierung zum Hauptausschuss des Nationalrats.

Wie lange die Bevölkerung die jetzt ausgerufene Phase, deren begleitende Maßnahmen morgen Mittwoch nach einem Ministerrat bekannt werden sollen, durchhalten müsse, wisse er nicht, so Anschober. Weder, ob es Bälle im Februar oder Weihnachtsmärkte davor gibt, könne man sagen.

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Am 17. April 2020 fand ein Pressestatement zu den Maßnahmen gegen die Krise im Bundeskanzleramt statt. Im Bild Gesundheitsminister Rudolf Anschober.
Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober sollen bereits im Jänner oder Februar erste Personen gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn man zuvor bis zum Jahreswechsel 600.000 Impfdosen für 300.000 Menschen erhalten würde.
BKA / Andy Wenzel