Coronavirus in Europa auf dem Vormarsch

Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus. Am Dienstag wurden die ersten Infektionsfälle in Österreich und Kroatien bekannt. In Italien, dem von der Epidemie am schwersten betroffenen Land in Europa, wurde erstmals eine Erkrankung südlich von Rom registriert.

red/Agenturen

In Österreich sind nach offiziellen Angaben zwei Menschen im Bundesland Tirol betroffen. Medienberichten zufolge handelt es sich um zwei 24-Jährige Italiener aus der Lombardei, die in Innsbruck leben. Die Lombardei ist der Schwerpunkt des Coronavirus-Ausbruchs in Italien. Dort meldeten die Behörden den ersten Fall im Süden des Landes. Eine Frau auf Sizilien sei positiv getestet worden, teilte die Regionalverwaltung mit. In Italien stieg die Zahl der Infektionsfälle auf mehr als 260. Sieben Menschen sind dort bislang der Infektion erlegen.

Die Verbreitung des Virus in Italien hat offenbar zu massiven Preiserhöhungen für Hygienemasken und Desinfektionsmittel geführt. Deswegen werde eine Untersuchung eingeleitet, sagte die stellvertretende Mailänder Chefanklägerin Tiziana Siciliano. „Der Preis für Atemschutzmasken im Internet ist von einem Cent auf zehn Euro gestiegen“, sagte sie. Und eine Ein-Liter-Flasche Desinfektionsmittel, die vorige Woche für sieben Euro im Handel war, kostete gestern bis zu 39 Euro."

Hotel in Teneriffa abgeriegelt

Auch ein am Montagabend in Spanien publik gewordener Fall hat einen italienischen Bezug. Ein italienischer Arzt erkrankte während seines Urlaubs auf der Ferieninsel Teneriffa. Sein Hotel wurde am Dienstag abgeriegelt. Alle rund tausend Touristen und die Angestellten des Hotels sollen auf eine mögliche Ansteckung untersucht werden.

In Großbritannien rief Gesundheitsminister Matt Hancock Rückkehrer aus Norditalien zu einer befristeten Isolation auf, falls sie grippeähnliche Symptome aufwiesen. Die EU-Kommission und das Europäische Parlament wies seine Mitarbeiter an, für 14 Tage zu Hause zu bleiben, falls sie in betroffenen Gebieten in Norditalien waren.

Auch in anderen Teilen der Welt nahmen die Furcht vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Erregers zu. Die US-Regierung forderte vom Kongress 2,5 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Virus, darunter mehr als eine Milliarde für die Entwicklung eines Impfstoffes.

Die Demokratin Nita Lowey, Vorsitzende des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, wertete den Finanzierungsantrag als „völlig unzureichend". Gleichwohl erklärte Präsident Donald Trump am Rande eines Staatsbesuchs in Indien, sein Land sei gut auf die Epidemie vorbereitet.

Fast 78.000 Erkrankte in China

In China, wo der Ursprung der Ansteckungswelle liegt, stieg die Zahl der Virus-Toten um 71 auf 2.663 an. Den Behörden wurden 508 neue Infektionen gemeldet. Damit sind in der Volksrepublik knapp 77.700 Menschen erkrankt.

Der Handel und Konsum von Wildtieren wurde mit sofortiger Wirkung verboten. Der Ursprung des Virus wird in einem Tiermarkt in der Millionenmetropole Wuhan - dem Epizentrum der Epidemie - vermutet, auf dem auch Wildtiere verkauft worden sein sollen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das neue Coronavirus von Tieren an den Menschen weitergegeben wurde.

Im Iran stieg die Zahl der Virus-Opfer um zwei auf 16. Die Zahl der Infizierten, darunter Vize-Gesundheitsminister Iradsch Harirchi, stieg auf 95. Damit sind im Iran weltweit die meisten Erkrankten nach China registriert worden.

Die Türkei stellte deswegen alle 132 Menschen an Bord eines aus dem Iran kommenden Flugzeugs für 14 Tage unter Quarantäne. Passagiere und Besatzung würden nun in einem eigens vorbereiteten Spital in Ankara isoliert und auf das neuartige Virus getestet, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit.