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Coronavirus

Erstmals über 500 Tote an einem Tag in Großbritannien

Großbritannien hat erstmals mehr als 500 Todesfälle in einem Zeitraum von 24 Stunden durch das neuartige Coronavirus verzeichnet. Wie das Gesundheitsministerium in London am Mittwoch mitteilte, starben seit dem Vortag 563 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Die Zahl der Toten im Vereinigten Königreich stieg damit auf 2.352 an.

red/Agenturen

Knapp 30.000 Menschen waren nachweislich mit dem Virus infiziert. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte allerdings sehr viel höher sein. Großbritannien hat bisher im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland nur wenige Tests durchgeführt und lange mit der Einführung drastischer Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gezögert.

Ein großes Problem in Großbritannien ist, dass viel zu wenig Beatmungsgeräte bereitstehen und der staatliche Gesundheitsdienst NHS chronisch unterfinanziert und marode ist. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft British Medical Association fehlt es in Kliniken und bei Hausärzten an Ausrüstungen wie Masken und Einmal-Handschuhen. Krankenschwestern hatten berichtet, dass sie ohne Schutz Patienten versorgen mussten.

Jeder vierte NHS-Mediziner  „krank oder in Isolation“

Wie die Ärzteorganisation Royal College of Physicians mitteilte, ist jeder vierte Mediziner des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS (National Health Service) inzwischen „krank oder in Isolation“. Besonders schlimm sollen die Zustände in London und Birmingham sein.

Auch der britische Premierminister Boris Johnson und weitere Berater und Politiker aus seinem Umfeld haben sich mit dem Corona-Virus angesteckt. Der Regierungschef soll nur milde Symptome haben und arbeitet weiter in Isolation.

Expertin: Großbritannien Lage kann sich im Herbst normalisieren

Das Leben in Großbritannien dürfte sich nach Expertenangaben frühestens in etwa einem halben Jahr normalisieren. Ein zu schnelles Aufheben der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie könnte eine zweite Infektionswelle auslösen, warnte Jenny Harries, die die Regierung in Medizinfragen berät, am Sonntagabend in London.“

Das bedeutet aber nicht, dass wir sechs Monate lang eine komplette Ausgangssperre haben werden“, sagte Harries. Die Maßnahmen müssten regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Regierungsitz Großbritannien
Die Regierung in Großbritannien steht in der Corona-Krise unter starkem Druck, weil sie nach Ansicht vieler Kritiker zu spät und zu lasch auf den Ausbruch reagiert habe.
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