Corona-Impfstoff

EU liefert großen Teil ihrer Corona-Impfstoff-Produktion in Drittländer

Ein beträchtlicher Anteil der in der EU produzierten Corona-Impfstoffe wird in Drittstaaten exportiert. Unter dem im Januar eingeführten Kontrollmechanismus für Impfstoffexporte wurden der EU-Kommission die Ausfuhr von bislang mehr als 34 Millionen Dosen gemeldet. Allein in der vergangenen Woche waren es demnach knapp zehn Millionen Dosen.

red/Agenturen

Großbritannien ist den Angaben zufolge der größte Abnehmer von in der EU produzierten Corona-Impfstoffen. Insgesamt wurde der Kommission demnach die Ausfuhr von mehr als neun Millionen Dosen in das ehemalige EU-Land gemeldet, eine Million davon in der vergangenen Woche.

An zweiter Stelle liegt Kanada mit insgesamt knapp vier Millionen Impfstoff-Dosen aus der EU, gefolgt von Mexiko (3,1 Millionen) und Japan (2,7 Millionen). Große Exportmengen wurden auch nach Hongkong gemeldet (1,3 Millionen). In der chinesischen Sonderverwaltungszone wurden bislang nach offiziellen Angaben erst gut 100.000 Menschen größtenteils mit dem chinesischen Impfstoff Sinovac geimpft.

Die EU-Kommission hatte die Pharma-Unternehmen im Januar dazu verpflichtet, Ausfuhren in Drittländer anzumelden und genehmigen zu lassen. Hintergrund für diesen Schritt war die Ankündigung des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca, der EU zunächst deutlich weniger Impfstoff zu liefern als vereinbart.

Den Angaben zufolge wurden seitdem 249 Exportanträge genehmigt und einer abgelehnt. Vergangene Woche hatte Italien erstmals eine Lieferung von AstraZeneca-Impfstoff nach Australien unterbunden. Acht Anträge wurden demnach noch nicht bearbeitet.

Israel hat Großteil mit belgischem Impfstoff immunisiert

Hinzu kommen noch Impfstoff-Ausfuhren in eine große Zahl von Ländern, die aus verschiedenen Gründen vom Kontrollmechanismus ausgenommen sind, etwa Nachbarländer wie die Schweiz, die Balkan-Länder und fast der gesamte Mittelmeerraum. Auch für Israel, das nach Angaben von EU-Ratspräsident Charles Michel einen Großteil seiner Bevölkerung mit Impfstoff aus Belgien immunisiert hat, braucht es keine Ausfuhrgenehmigung.

Nach Angaben der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC haben die Hersteller derweil rund 55 Millionen Impfstoffdosen an die Länder der EU sowie Norwegen, Liechtenstein und Island geliefert, knapp 43 Millionen davon wurden bislang verabreicht.

Ratspräsident Michel hatte den USA und Großbritannien am Dienstag vorgeworfen, den Export von Impfstoffen komplett zu verbieten, während die EU in die ganze Welt liefere. Die britische Regierung wies dies scharf zurück. Sein Land habe keinen einzigen Export blockiert, sagte Premierminister Boris Johnson am Mittwoch im Parlament. Großbritannien lehne jeglichen „Impfstoff-Nationalismus“ ab. „Die Briten können sich beschweren, aber Fakt ist, dass sie überhaupt nichts exportiert haben“, sagte dazu ein EU-Diplomat.