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Coronavirus

Weltweit steigende Infektionszahlen, Regierungen verhängen strengere Maßnahmen

Die Zahl der gemeldeten Ansteckungen mit dem Coronavirus steigt wieder deutlich an. Vielerorts sind die Intensivstationen von Krankenhäusern bereits am Limit. Regierungen verhängen strengere Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen.

red/Agenturen

Slowenien stuft ab Montag ganz Österreich als Corona-Risikogebiet ein. Bisher stand lediglich Kärnten nicht auf der „roten Liste“ von Ländern mit hohem Risiko für Corona-Infektionen, für die restlichen acht Bundesländer galten bereits Reiseeinschränkungen. Ab Montag werden nun alle, die aus Österreich nach Slowenien einreisen, einen negativen Covid-19-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen oder sich in zehntägige Quarantäne begeben müssen. Es gelten mehrere Ausnahmen, bei denen Reisende von der Quarantäne oder Testpflicht ausgenommen sind.

Die Ausnahmen gelten unter anderem für Pendler, Schüler, Güterverkehr sowie bei dringenden persönlichen oder geschäftlichen Reisen, wobei die Rückkehr binnen 48 Stunden erfolgen muss. Wer die Grenze aus familiären Gründen überquert, um den Kontakt zu engsten Familienmitgliedern aufrechtzuerhalten, darf sich 72 Stunden im Land aufhalten. Der Transit durch Slowenien ist ebenfalls auflagenfrei, wenn er innerhalb von zwölf Stunden erfolgt. Österreichische Besitzer oder Mieter von Immobilien auf der slowenischen Seite dürfen sich 48 Stunden im Land aufhalten.

Ab Montag stehen von den slowenischen Nachbarländern auch alle Gebiete Kroatiens und Ungarns auf der „roten Liste“. Im Fall Italiens ist nur noch Kalabrien von den Reiseeinschränkungen ausgenommen. Auch Serbien gilt ab nächste Woche als Risikogebiet.

Slowenien setzt Lockdown fort

Slowenien hat den Lockdown wegen der weiterhin schlechten epidemiologischen Lage wieder verlängert. Primarschüler werden nach zweiwöchigen Herbstferien nächste Woche nicht in die Schulen zurückkehren, auch für sie wird es Fernunterricht geben, beschloss die Regierung am Donnerstag. Wie lange die Einschränkungen noch dauern werden, ist unklar. Premier Janez Jansa deutete an, dass die Restriktionen mindestens noch einen Monat in Kraft sein könnten.

Die Regierung ist durch einen Beschluss des Verfassungsgericht zur wöchentlichen Beurteilung von Restriktionen verpflichtet, weshalb die Maßnahmen im Wochentakt beschlossen werden. Es sei bereits klar, dass einige Maßnahmen länger in Kraft bleiben müssen, kündigte Jansa bereits am Dienstag an. „Es steht uns mindestens ein Monat harten Kampfes mit dem Virus bevor und dann noch Monate von großer Vorsicht", sagte er. „Auf jeden Fall wird es ein langer Winter sein", betonte der Premier und deutete an, dass man die Weihnachtszeit womöglich „normaler“ verbringen könnte.

Schweden: Mehr als 6.000 Tote in Zusammenhang mit Corona

In Schweden sind am Donnerstag mehr als 6.000 Tote in Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert worden. Wie die Gesundheitsbehörde FOHM mitteilte, ist die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen rasant angestiegen. Fast zehn Prozent der getesteten Menschen waren vergangene Woche positiv. Vor zwei Wochen waren es den Angaben zufolge noch 5,6 Prozent.

Am Donnerstag wurden insgesamt 141.764 Infizierte und 6.002 Tote in der offiziellen Corona-Statistik ausgewiesen. Daraus gehen auch 314 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen hervor.

Schweden ist seit Beginn der Pandemie einen Sonderweg gegangen und setzt darauf, dass seine Einwohner freiwillig den Empfehlungen zur Ansteckungsvorbeugung folgen. In zehn Regionen sind die Menschen derzeit aufgefordert, so wenig sozialen Kontakt wie möglich zu haben und Einkaufszentren, Museen, Konzerte sowie den öffentlichen Nahverkehr zu meiden.

Ministerpräsident Stefan Löfven teilte am Donnerstag auf Facebook mit, dass er und seine Frau sich freiwillig in Quarantäne begeben haben. Jemand aus seinem Umkreis war in Kontakt mit einer Person, die positiv auf Corona getestet wurde. „Die Entwicklung geht schnell in die falsche Richtung", schrieb Löfven. „Immer mehr sind infiziert. Mehr Menschen sterben. Die Situation ist ernst."

Tagesrekord in Tschechien

Nach mehreren Wochen leichter Entspannung ist die Zahl der festgestellten Corona-Neuinfektionen in Tschechien auf einen Rekordwert geklettert. Das Gesundheitsministerium in Prag meldete am Donnerstag 15.729 bestätigte Fälle innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Das ist der größte Zuwachs innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Pandemie.

Zudem ist die Zahl der an Covid-19 erkrankten Patienten, die eine Krankenhausbehandlung benötigen, mit 8.300 auf den bisher höchsten Wert geklettert. Das Land mit seinen knapp 10,7 Millionen Einwohnern war von der ersten Welle im Frühling nur wenig betroffen, verzeichnete aber im Herbst einen der steilsten Anstiege der Infektionsraten in Europa.

Um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, verhängte die Regierung des Ministerpräsidenten Andrej Babis Anfang Oktober einen inzwischen bis vorerst zum 20. November verlängerten Notstand mit weitgehenden Ausgangsbeschränkungen und einer nächtlichen Ausgangssperre. Restaurants und Schulen sowie die meisten Geschäfte sind geschlossen. Die Menschen sind angehalten, auch tagsüber weitgehend zu Hause zu bleiben. Firmen und Behörden sollen nach dem Wunsch der Regierung ihren Mitarbeitern, wenn möglich, Arbeit im Homeoffice anbieten.

Polen: mehr als 27.000 Neuinfektionen

In Polen hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus erstmals die Marke von 27.000 überschritten. Innerhalb von 24 Stunden kamen 27.143 neue Fälle hinzu, die meisten davon (3.888) in der Region Großpolen im Westen das Landes, wie das polnische Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Im gleichen Zeitraum starben 367 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus.

Der bisherige Rekordwert war mit 24.692 Fällen erst am Mittwoch erreicht worden. Seit Beginn der Pandemie gab es in Polen 6.842 Todesfälle in Verbindung mit einer Corona-Infektion. Angesichts der drastisch steigenden Zahl von Neuinfektionen hatte Regierungschef Mateusz Morawiecki am Mittwoch gewarnt, das Land befinde sich einen Schritt vor einem vollständigen Lockdown und der Verhängung einer Ausgangssperre.

Ab Samstag gelten in Polen weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Kinos, Theater und Museen werden erneut geschlossen - ebenso wie Geschäfte in Einkaufszentren, mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken. Alle Schulen stellen auf Fernunterricht um. Die Auflagen sollen bis zum 29. November gelten.

Leichte Entspannung in Madrid und Barcelona

In den spanischen Corona-Hotspots Madrid und Barcelona bleibt die Zahl der neuen Corona-Infektionen zwar hoch, hat sich aber zuletzt etwas entspannt. In der Hauptstadt Madrid, die in der zweiten Corona-Welle lange die mit Abstand höchste Zahl an Neuinfektionen des Landes aufwies, seien diese Werte inzwischen mehr als halbieren worden, schrieb die Zeitung „La Vanguardia“ am Donnerstag.

Die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner, die zeitweise bei rund 400 lag, ging nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Mittwoch auf etwa 157 zurück. Der Landesdurchschnitt liegt bei 236. Zum Vergleich: Dieser Wert beträgt in Österreich derzeit bei 408.

Auch in Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona ging die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen von bis zu 6.000 vor zwei Wochen leicht auf nun um die 5.000 zurück, wie „La Vanguardia“ und der TV-Sender Telecinco berichteten. Zudem sei die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, am Mittwoch erstmals unter 1 gesunken. Das heißt, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

In beiden Städten werden die Einschränkungen des öffentlichen Lebens aber weiter aufrechterhalten. In Madrid bleiben 40 Gebiete mit besonders hohen Infektionszahlen abgesperrt und in Barcelona gilt weiterhin wie in ganz Katalonien eine nächtliche Ausgangssperre. Dort sind zudem alle Gaststätten, Kinos, Theater und Fitnessclubs auch tagsüber geschlossen. Wie in anderen Teilen des Landes ist die Zahl der Teilnehmer an Treffen auch im privaten Bereich stark beschränkt.

Spanien ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder Westeuropas. Seit Beginn der Pandemie infizierten sich dort 1,28 Millionen Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2. Mehr als 38.000 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19. Auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind heftiger als in vielen anderen Ländern.

37.809 Neuinfizierte und 446 Tote in Italien

In Italien ist die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen laut Gesundheitsministerium am Freitag gegenüber dem Vortag von 34.505 auf 37.809 gestiegen. Auch gab es 446 Todesfälle, einer mehr als am Vortag. Die Zahl der verstorbenen Infizierten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar kletterte somit auf 40.638 Opfer, teilte das Gesundheitsministerium mit. Innerhalb von 24 Stunden wurde eine Rekordzahl von 234.245 Tests durchgeführt.

Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle stieg am Freitag auf 499.118, in Quarantäne befanden sich 472.598 Personen. Die Zahl der in Spitälern behandelten Covid-19-Patienten erhöhte sich gegenüber dem Vortag von 23.256 auf 24.005, teilte die italienische Behörde weiter mit. Auf den Intensivstationen lagen 2.515 Patienten.

Italiens Regierung hat wegen der massiv steigenden Corona-Zahlen eine weitere Verschärfung der Maßnahmen ab dem heutigen Freitag beschlossen. Ab Freitagabend tritt eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr sowie die Schließung von Einkaufszentren am Wochenende in Kraft. In vier Regionen - Lombardei, Piemont, Aostatal und Kalabrien - wurde ein „Lockdown light“ mit Ausgangsverbot und Reisebeschränkungen verhängt. Geschäfte und Lokale mit Ausnahmen von Supermärkten, Apotheken, Zeitungskiosken und Trafiken müssen in diesen Regionen schließen. Die Regierung will Stützungsmaßnahmen für die betroffenen Wirtschaftssektoren ankündigen.

Ungarn verschiebt Operationen

Die ungarischen Spitäler würden bis 10. Dezember hinsichtlich der Intensivbetten ihre Leistungsgrenze erreichen, sagte Premier Viktor Orban am Freitag im Staatsrundfunk Kossuth-Radio. Laut Prognosen würden dann 4.480 Intensivplätze benötigt, was bedeute, dass sich 30.000 bis 32.000 Menschen im Krankenhaus befinden könnten. Ungarn will, wie im Frühjahr, seine Spitäler bevorzugt für Corona-Fälle nutzen. Nicht dringende Operationen werden verschoben.

Die Zahl der Neuerkrankungen betrug am Freitag 4.709. Insgesamt wurden 99.625 Infizierte registriert. In Spitälern befinden sich 5.489 Patienten, 391 werden künstlich beatmet. Mit der Zahl der Infizierten befände sich Ungarn innerhalb der 27-EU-Länder im unteren Drittel, hinsichtlich der Opferzahlen wiederum im Mittelfeld, betonte die oberste Amtsärztin Cecilia Müller auf der Pressekonferenz des Krisenstabes in Budapest.

In Ungarn gilt seit 4. November erneut der Notstand, der dem Kabinett ermöglich, unbegrenzt auf dem Verordnungsweg zu regieren. Zu den weiters eingeführten Corona-Maßnahmen gehören Ausgangsbeschränkung von Mitternacht bis 5.00 Uhr früh, Schließung der Nachtgastronomie wie Bars und Diskotheken. Kultureinrichtungen, wie Museen und Bibliotheken, dürfen mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 Meter besucht werden. Theater und Kinos bleiben geöffnet, wobei nur jeder 3. Sitzplatz belegt werden darf. Das Maskentragen ist überall Pflicht, auch in Restaurants, wo die Masken nur während des Verzehrs abgenommen werden dürfen.

Slowakei mit Schnelltests an Grenze

Auch die Slowakei hat ihre Maßnahmen rund um die Pandemie verschärft: Wer in das Land einreisen will, muss künftig einen negativen Corona-Test nachweisen oder direkt an der Grenze einen Schnelltest absolvieren. Das sagte Gesundheitsminister Marek Krajci am Dienstag in einem Interview des TV-Nachrichtensenders TA3. Anders als bisher angekündigt, soll die Vorschrift allerdings erst ab 15. November in Kraft treten. Bis dahin sollen an allen größeren Grenzübergängen Teststationen entstehen, einige kleinere werden geschlossen.

Krajci bestätigte, dass die Regierung trotz Kritik von Gesundheitsexperten an ihrem Plan festhält, die Bevölkerung ein zweites Mal zu testen. Von der zweiten Testrunde am kommenden Samstag und Sonntag werden allerdings jene Landesteile ausgenommen, in denen es offenbar besonders wenige Infizierte gibt. In der am Dienstag vom Verteidigungsministerium präsentierten Liste wird auch die Hauptstadt Bratislava zu den Ausnahmen gezählt, die nicht nochmals durchgetestet werden. In Bratislava waren am vergangenen Wochenende nur rund 0,3 Prozent der Tests positiv, im Landesschnitt knapp über 1 Prozent.

In einer bisher beispiellosen Aktion wurden in nur zwei Tagen zwei Drittel der 5,5 Millionen Einwohner der Slowakei auf das Coronavirus getestet. Der populistisch-konservative Regierungschef Igor Matovic wertete die kurzfristig angekündigte Aktion als Erfolg, den sich andere Länder zum Vorbild nehmen könnten. Mehr als 38.000 positiv Getestete, die nun in Quarantäne gehen müssten, hätten sonst unentdeckt die Infektion weiterverbreitet, erklärte er.

Zudem hat die slowakische Regierung am Mittwoch die geltende landesweite Ausgangssperre bis zum 14. November verlängert. Wer keinen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf seine Wohnung nicht einmal mehr für den Weg zur Arbeit verlassen. Erlaubt sind nur dringend notwendige Besorgungen und das Absolvieren eines Corona-Tests.

In ein besonderes Dilemma geraten Menschen, die aus dem Ausland einreisen. Nach einer Reihe widersprüchlicher Regierungsankündigungen der letzten Tage veröffentlichte das Außenministerium in Bratislava am Mittwoch eine Auslegung der aktuell gültigen Bestimmungen, die Klarheit schaffen sollte.

Aufgrund einer Regierungsverordnung darf man demnach zwar aus Deutschland oder einem anderen nicht als Risikoland qualifizierten Staat ungehindert einreisen, ohne einen negativen Corona-Test vorweisen oder eine Quarantäne antreten zu müssen. Aufgrund einer gleichzeitig geltenden anderen Vorschrift gilt aber auch für diese Einreisenden das Verbot, sich ohne negativen Corona-Test frei im Land zu bewegen.

Der populistisch-konservative Ministerpräsident Igor Matovic hatte ursprünglich angekündigt, zugleich mit der verschärften Einschränkung der Bewegungsfreiheit werde es kostenlose Corona-Tests direkt an der Grenze geben. Tatsächlich gibt es diese aber noch nicht, weshalb der Beginn des Einreiseverbots für Menschen ohne Test auf 15. November verschoben wurde. Nicht aufgeschoben wurde jedoch die Gültigkeit der Ausgangssperre.

Ausgangsbeschränkungen in Frankreich   

Frankreich muss sich mit Beginn der Woche auf verstärkte Kontrollen bei den strengen Ausgangsbeschränkungen einstellen. Der richtige Lockdown beginne erst an diesem Montag, weil die Menschen am Wochenende noch aus den Ferien zurückgekehrt seien, sagte Innenminister Gerald Darmanin am Montag dem Sender BFM TV. Die Kontrollen würden daher verstärkt. Nach Angaben des Ministers hat es seit Beginn der neuen Beschränkungen rund 100.000 Kontrollen im ganzen Land gegeben.

Seit Freitag gelten in Frankreich weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen dürfen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür und müssen diesen mit einem Formular nachweisen. Erneut ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Wer etwa spazieren gehen möchte, darf dies nur im Umkreis eines Kilometers zu seiner Wohnung eine Stunde pro Tag.

Schulstart und strengere Kontrollen

Anders als im Frühjahr mussten die Parks dieses Mal nicht schließen - sie sind aber nicht für jeden im Radius eines Kilometers erreichbar. Auch die Schulen sind weiterhin geöffnet - die Schüler kehrten Montagfrüh nach den Ferien in die Klassenzimmer zurück.

Der Einzelhandel ist geschlossen, nur noch lebensnotwendige Produkte dürfen verkauft werden. Daher sollen nun auch Supermärkte und andere große Geschäfte keine Produkte mehr verkaufen dürfen, die sonst im Einzelhandel verkauft werden. „Hygieneprodukte werden beibehalten, Make-up nicht. Die großen Geschäfte werden es entfernen“, sagte der beigeordnete Minister für Kleinunternehmen, Alain Griset, dem Sender Franceinfo.

Es werde eine Verpflichtung für Supermärkte geben, keine Produkte in die Regale zu stellen, die in kleinen Geschäften verkauft werden könnten. Damit würde man Forderung von Einzelhändlern nach gleicher Behandlung für alle nachkommen. Der Großhandel kritisiert, dass diese Maßnahme lediglich Online-Händlern diene.

Neuer Corona-Lockdown in England

In England gilt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seit Donnerstag ein Teil-Lockdown mit weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Gastronomie, Kulturstätten, Sportzentren und Freizeiteinrichtungen müssen schließen, Schulen und Universitäten bleiben aber geöffnet. Anders als in Österreich wird auch der Handel für einen Monat lang zu bleiben - abgesehen von Supermärkten und anderen als notwendig eingestuften Geschäften.

Die Engländer sollen ihre Wohnungen bis zum 2. Dezember nur noch aus triftigem Grund verlassen - etwa zur Arbeit, zum Sport, zur Erholung oder zur Pflege Angehöriger. Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Regeln zur Virus-Bekämpfung. Dort fuhr man bereits früher zeitlich begrenzt das öffentliche Leben weitgehend herunter.

Die Zahl der Todesfälle von Corona-Infizierten stieg in Großbritannien am Mittwoch mit fast 500 Toten innerhalb eines Tages auf den höchsten Stand seit Mai. In den vergangenen zwei Wochen zählte das Land mit seinen rund 68 Millionen Einwohnern laut EU-Seuchenbehörde ECDC rund 470 Fälle pro 100.000 Menschen.

Für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS gilt zudem nun die höchste Warnstufe. Man steuere auf eine ernste Situation zu, sagte NHS-England-Chef Simon Stevens. Im Nordwesten des Landes habe im Oktober bereits ein Viertel der geplanten Operationen wegen Covid-19-Patienten verschoben werden müssen. Dies werde auch in anderen Regionen zunehmen. Mit aktuell knapp 11.000 Covid-Patienten in den englischen Krankenhäusern sehe man in vielen Regionen bereits mehr Menschen in den Krankenhäusern als in der ersten Welle im April, sagte Stevens in einem BBC-Interview. Die betroffen Covid-Patienten könnten gebündelt aktuell bereits 22 Krankenhäuser komplett füllen.

20.000 Patienten in den Krankenhäusern gelten nach Angaben von NHS England als obere Belastungsgrenze. Diese könne innerhalb weniger Wochen erreicht sein, wenn die Infektionszahlen nicht drastisch sänken, warnen Gesundheitsexperten.

Corona-Massentest in Liverpool gestartet

Im britischen Liverpool hat am Freitag ein Corona-Massentest für die Bevölkerung begonnen. Alle rund 500.000 Einwohner der nordwestenglischen Stadt sowie Berufspendler können sich während des zweiwöchigen Pilotversuchs testen lassen, auch wenn sie keine Symptome aufweisen, wie die britische Regierung mitteilte. Sollte sich die Ausbreitung des Coronavirus damit bremsen lassen, könnte die Maßnahme demnach auf weitere Teile Englands ausgeweitet werden.

Der beliebte deutsche Fußballtrainer des FC Liverpool, Jürgen Klopp, rief die Einwohner in einem Twitter-Video zur Teilnahme auf: „Macht es für euch selbst, eure Familie, eure Kollegen und eure Stadt.“ Die Tests werden in Schulen, Universitäten, Pflegeheimen und Arbeitsstellen angeboten. Die Behörden richteten zudem neue Testzentren ein und setzten rund 2000 Militärangehörige zur Unterstützung ein. Es werden verschiedene Arten von Tests angeboten - darunter auch ein besonders schneller Test, dessen Ergebnisse innerhalb einer Stunde vorliegen.

Mit mehr als 48.000 Corona-Todesopfern ist Großbritannien eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder in Europa. Im ganzen Land, insbesondere aber in Liverpool, sind die Neuinfektionen in letzter Zeit wieder massiv angestiegen. Seit Donnerstag gilt deshalb in England wieder ein weitgehender Lockdown. Massentests wurden auch schon in anderen Teilen der Welt vorgenommen, etwa in Luxemburg und einigen chinesischen Städten. Auch in der Slowakei wurden Anfang November zwei Drittel der Bevölkerung auf das Coronavirus getestet.

Belgien: weniger Patienten im Krankenhaus

Im heftig von der Corona-Pandemie betroffenen Belgien ist die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern erstmals seit Wochen leicht zurückgegangen. Die Intensivstationen der Krankenhäuser sind jedoch weiterhin stärker ausgelastet, wie aus Daten der Gesundheitsbehörde Sciensano vom Donnerstag hervorgeht.

Von Dienstag auf Mittwoch ist die Zahl der Corona-Patienten im Krankenhaus demnach um ein Prozent auf 7.405 zurückgegangen. Es war der erste Rückgang seit fast zwei Monaten. 1.412 von ihnen wurden auf den Intensivstationen behandelt - ein Zuwachs um vier Prozent. Damit nähert Belgien sich weiter der derzeitigen Maximal-Kapazität von rund 2.000 Intensivbetten. Weil einige Krankenhäuser bereits überlastet waren, wurden Patienten zum Teil in andere Einrichtungen - auch über die Grenze nach Deutschland - gebracht.

Die Zahl jener Menschen, die mit oder an dem Coronavirus gestorben sind, steigt unterdessen weiter stark an. Im Wochenvergleich legte der Wert um 106 Prozent auf knapp 147 Todesfälle täglich zu.

Belgien ist europaweit eines der am schwersten von der Corona-Krise betroffenen Länder. Seit Montag gelten deshalb verschärfte Einschränkungen. Unter anderem dürfen nur noch Geschäfte öffnen, die unbedingt notwendige Waren verkaufen.

Estland mit Rekordwert bei Corona-Neuinfektionen

In Estland hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen am Freitag mit 241 Fällen binnen 24 Stunden einen neuen Höchststand erreicht. Die meisten davon wurden in der Hauptstadt Tallinn und der umliegenden Region verzeichnet. Dies teilte die Gesundheitsbehörde in Tallinn mit. Der bisherige Rekordwert lag bei 208 Fällen.

Behördenleiter Üllar Lanno sagte einem Rundfunkbericht zufolge in Tallinn, das Infektionsniveau habe im gesamten Land zugenommen. Er empfahl, öffentliche Veranstaltungen bis auf Weiteres abzusagen. Sozialminister Tanel Kiik kündigte an, die Regierung in Tallinn werde am Dienstag neue Corona-Einschränkungen und Schutzmaßnahmen erörtern.

Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern verzeichnete bisher 5.705 bestätigte Corona-Infektionen und 73 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus. Der Baltenstaat gehört nach Angaben der EU-Behörde ECDC trotz steigender Fallzahlen zu den aktuell weniger stark betroffenen Ländern in Europa.

Auch Litauen führt Corona-Warn-App ein

Litauen hat eine eigene Smartphone-App zur besseren Nachverfolgung von Corona-Infektionen eingeführt. Die Anwendung namens „Korona Stop LT“ steht seit Freitag zum Download bereit, wie die Regierung in Vilnius mitteilte. Damit sollen in dem baltischen EU-Land Nutzer frühzeitig gewarnt werden, wenn sie sich in der Nähe von Menschen befunden haben, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Die App ist zunächst auf Litauisch und von kommender Woche an auch auf Englisch, Russisch und Polnisch verfügbar. Die Nutzung ist freiwillig. Aus Privatsphären- und Datenschutzgründen werden die Daten zu den Kontakten nicht zentral erfasst. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde in Vilnius wurde die App am ersten Tag bereits mehr als 10.000 Mal heruntergeladen.

Litauen mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern war von der ersten Corona-Welle im Frühjahr nur wenig betroffen, verzeichnete aber im Herbst einen rasanten Anstieg der Infektionsraten. Seit Anfang Oktober gibt es ständig neue Höchstwerte. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 20.000 Corona-Infektionen erfasst.

Nach Angaben der EU-Behörde ECDC ist die Entwicklung in dem Ostseestaat aktuell schlechter als in Deutschland. Angesichts der steigenden Neuinfektionen schickt die Regierung in Vilnius das gesamte Land von Samstag an für zunächst drei Wochen in einen Teil-Lockdown.

Oslo führt strengere Corona-Maßnahmen ein

Die norwegische Hauptstadt Oslo führt von Montag an strengere Maßnahmen ein, die eine weitere Verbreitung des Coronavirus stoppen sollen. Theater, Museen, Trainingsstudios und Schwimmbäder bleiben geschlossen. Private Versammlungen außerhalb der eigenen vier Wände werden verboten.

"Die Infektionsrate ist viel zu hoch", sagte Bürgermeister Raymond Johansen am Freitag. „Wir müssen tun, was wir können, um die Infektionen zu reduzieren.“ Wenn es gelingen solle, die soziale Aktivität auf ein Minimum zu beschränken, müssten die Orte geschlossen werden, an denen sich Menschen versammelten, so Johansen.

Restaurants und Bars können demnach geöffnet bleiben, dürfen aber keinen Alkohol mehr ausschenken. Im Oktober wurden in Oslo 1.885 Neuinfektionen gemeldet. Im frühen Stadium der Pandemie im März waren es noch 1.290.

Landkarte von Europa
Ausgangssperren, Maskenpflicht oder großangelegte Test - die europäischen Länder reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen auf die steigenden Corona-Zahlen.
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