Coronavirus

Italien ruft Bürger zur Einschränkung von Reisen auf

Angesichts der zunehmenden Corona-Infektionszahlen appelliert die italienische Regierung an die Bevölkerung, auf nicht unbedingt notwendige Reisen und Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verzichten. „Wir arbeiten Tag und Nacht, um einen Lockdown zu vermeiden, doch die Zahl der Ansteckungen hängt von den restriktiven Maßnahmen ab“, sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza.

red/Agenturen

„Wir rufen die Bürger auf, so wenig wie möglich zu reisen, so wenig wie möglich außer Haus zu gehen. Wir müssen die Epidemiekurve umgehend nach unten drücken. Aufgrund von 21 Parametern werden wir neue Maßnahmen beschließen“, sagte Speranza im Gespräch mit dem TV-Kanal „La7“ am Dienstagabend. Laut dem Minister gebe es noch Spielraum, dem Land einen gesamtstaatlichen Lockdown wie im März und April zu ersparen.

Speranza betonte, dass die Lage „sehr ernst“ sei. „Man muss deutlich sagen, wie die Dinge stehen. Jeder muss sich persönlich anstrengen, um die Epidemie einzugrenzen.“

Die Zahl der Corona-Infektionen in Italien ist wieder über die 10.000er-Schwelle gestiegen. Am Dienstag gab es 10.874 Fälle. Außerdem wurden 89 weitere Todesopfer registriert, am Vortag waren es 73 gewesen. Am schwersten betroffen ist derzeit wie schon zu Beginn der Pandemie die Lombardei, zu der auch die Wirtschaftsmetropole Mailand gehört. Am Montag meldete die Lombardei mit 1687 Fällen die höchste Zahl an Neuinfektionen, die am zweitschwersten betroffene Region ist Kampanien mit 1593 Fällen. Die Zahl der Corona-Toten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 36.705.

Ausgangssperre in der Lombardei

Wegen der Ausbreitung verhängte die norditalienische Region Lombardei eine nächtliche Ausgangssperre. Ab Donnerstag müssen die Menschen von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr zu Hause bleiben, wie die Behörden mitteilten. Ausnahmen sind aus medizinischen oder beruflichen Gründen möglich. Die Maßnahme soll bis zum 13. November dauern.

„Das ist eine angemessene und symbolisch bedeutsame Initiative, die keine besonders ernsten wirtschaftlichen Folgen haben dürfte“, sagte Regionalpräsident Attilio Fontana der Zeitung „La Repubblica“ vom Dienstag. Auch Kampaniens Regionalpräsident Vincenzo De Luca verkündete eine Ausgangssperre ab Freitag um 23.00 Uhr. Wie lange die Maßnahme gelten soll, sagte er jedoch nicht.

Bei der nächtlichen Ausgangssperre handelt es sich um die strikteste Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien seit dem Ende des im Frühling verhängten nationalen Lockdowns.

 

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