Italien streitet über Plätze in Zügen

In Italien ist ein Streit über die Vergabe von Plätzen in Zügen entbrannt. Während die italienischen Staatsbahnen (FS) und der private Bahnbetreiber Italo in den August-Wochen wieder die volle Auslastung der Züge erreichen wollten, stemmt sich die Regierung von Premier Giuseppe Conte mit einem Erlass zur Abstandspflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln dagegen.

red/Agenturen

Gesundheitsminister Roberto Speranza reagierte verärgert auf die Ankündigung vom Freitag von Trenitalia, Tochter der FS, und der privaten Bahngesellschaft Italo, die Abstandsregeln in Hochgeschwindigkeitszügen abzuschaffen und angesichts der Hochsommer-Zeit alle Plätze an Bord freizugeben. Damit lösten die Bahnen auch den Protest prominenter Virologen aus, da die Infektionszahlen in Italien wieder steigen.

Speranza verabschiedete am Samstag einen Erlass, mit dem die Abstandspflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bekräftigt wird. Italo musste daraufhin am Sonntag acht Hochgeschwindigkeitszüge auf der Nord-Süd-Achse streichen. Rund 8.000 Passagiere konnten ihr bereits erworbenes Bahnticket nicht nutzen. Auch bei Trenitalia kam es zu Problemen, weil Passagiere ihre bereits reservierten Plätze nicht in Anspruch nehmen konnten.

„In Zügen müssen die bisher geltenden Sicherheitsregeln in Kraft bleiben. Wir können bei unseren Bemühungen im Kampf gegen die Epidemie nicht nachlassen“, so Gesundheitsminister Speranza. Der Minister handelte unter dem Druck des technisch-wissenschaftlichen Komitees (CTS), das sich gegen eine Lockerung der Abstandsregeln wehrt, da die Infektionszahlen im Land weiterhin steigen. Mehr als 35.000 Todesopfer sind in Italien seit Beginn der Pandemie Ende Februar gemeldet worden.