Ärztekammer

Kritik an Verschiebung von Operationen, Alarm beim Ärztenachwuchs

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) hält wenig von der Verschiebung nicht lebensnotwendiger Operationen aufgrund der steigenden Covid-Fälle in Österreichs Spitälern. Manche Eingriffe verbesserten die Lebensqualität und würden Arbeitskräfte erhalten, argumentierte Vizepräsident Harald Mayer am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Was allerdings angesichts der Coronapandemie drohe, sei ein Personalproblem.

red/Agenturen

„Wir haben in Österreich ein sehr gutes Gesundheitssystem“, bekräftigte Mayer, im Zusammenhang mit der Pandemie möglicherweise sogar das beste. Aber „Ich fürchte, wir bekommen zuerst ein Personalproblem, bevor wir ein Maschinenproblem bekommen.“ So könnten hoch spezialisierte Intensivmediziner früher fehlen, als etwa Beatmungsgeräte. Planoperationen stellten hingegen kein Problem dar. Bei manchen käme man in der Früh und gehe am Abend wieder nach Hause.

Gut ausgerüstet sieht Mayer die Ärztinnen und Ärzte auch mit Schutzausrüstung gegen eine Infektion. Diese könne zwar nie gut genug sein, „aber zur Zeit haben wir kein Problem“ - was sich aber auch relativ schnell ändern könnte, betonte er. So habe man während der ersten Welle in Europa nicht fazu gelernt, etwa nicht alles in China zu kaufen. „Das kann uns auch am Kopf fallen“, warnte der ÖÄK-Vizepräsident. Zur Zeit sei aber genug Schutzausrüstung da, betonte er.

„Alarmsignal erster Ordnung“

Ein Ressourcenproblem sieht die Ärztekammer aber auch unabhängig von der Coronapandemie, nämlich bei der Ausbildung. Eine unter Jungärzten und -ärztinnen durchgeführte Befragung hat ergeben, dass es vor allem in der Ausbildung erheblichen Nachholbedarf gibt. So zeigten sich zwar 38 Prozent mit dem Status Quo zufrieden oder sehr zufrieden, weitere 36 Prozent vergaben der Ärzteausbildung aber nur ein „Befriedigend“. Ebenso viele Jungärzte wären sogar bereit, in ein anderes Land zu gehen, wäre die Ausbildung dort besser, berichteten Daniel von Langen und Christoph Steinacker von der Bundeskurie angestellte Ärzte.

Für Mayer ist dieses Ergebnis eindeutig zu wenig. Ein „Befriedigend“ sei in diesem Fall nämlich als „eindeutiges Nicht genügend“ zu werten. Ärzte müssten weder gute Sekretäre, Verwalter oder Krankenpfleger werden, sonder „sie müssen Ärzte werden“. Das Umfrageergebnis ist für den ÖÄK-Vizepräsidenten auch ein „Alarmsignal allererster Ordnung“ an die Politik. Diese müsse Ressourcen zur Verfügung stellen und realistische Personalpolitik schaffen, sollten gute Ärzte in Österreich ausgebildet werden.