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Coronavirus

Mehr als 100.000 Fälle in Deutschland, über 2.000 Tote

In Deutschland sind mindestens 2.007 Menschen, die mit dem neuen Coronavirus infiziert waren, gestorben. Zudem wurden mindestens 107.700 Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert. Im Zuge der Diskussion um die Maskenpflicht will die deutsche Bundesregierung nun über Anreize eine inländische Masken-Produktion aufbauen.

red/Agenturen

Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert je nach Bundesland, ebenso der Zeitpunkt der Meldung. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts haben in Deutschland rund 33.300 Menschen die Infektion überstanden. Die deutsche Regierung geht sogar von 46.000 Genesenen aus. Das habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch gesagt, hieß es von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auf Facebook.

Besonders hohe Infiziertenzahlen haben Bayern mit mehr als 28.000 nachgewiesenen Fällen und mindestens 589 Toten, Nordrhein-Westfalen mit mehr als 22.600 Fällen und mindestens 408 Toten sowie Baden-Württemberg mit mehr als 20.600 Fällen und mindestens 464 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Bayern mit einem Wert von 214,5 die meisten Infektionen. Im Schnitt waren es landesweit 129,6. Wie für andere Länder rechnen Experten auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sah Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn greifbare Erfolge - aber noch keinen Grund zu Entwarnung. Die Bürger müssten sich bei aller Ungeduld auch über Ostern an die Beschränkungen halten, damit sich die Ausbreitung weiter verlangsame, sagte er.

Diskussion über Maskenpflicht

Spahn mahnte die Bürger weiter zu Disziplin und Geduld, so schwer die Beschränkungen über die Ostertage auch sein mögen. Inzwischen sei zu sehen, „dass die Maßnahmen wirken, dass die Verbreitung des Virus sich verlangsamt“, sagte er. Je konsequenter sich die Bürger an die Beschränkungen hielten, desto eher werde eine schrittweise Lockerung möglich sein. Wann das sein könnte, wollte er nicht sagen. „Auch nach Ostern wird nicht alles vorbei sein“, sagte Spahn. „Wir werden noch Monate mit dem Virus umgehen müssen.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stimmte die Bevölkerung in seinem Land auf eine Verlängerung zumindest eines Teils der Einschränkungen über den 19. April hinaus ein. „Wir sollten jetzt nicht zu frühzeitig die Dinge lockern.“ Eine vollständige Öffnung der Schulen nach dem Ende der Osterferien erscheint seinen Äußerungen nach zunehmend unwahrscheinlich: Er forderte, im Schulwesen „ganz besonders sensibel“ zu entscheiden. Die Schulschließungen hätten sich unmittelbar positiv ausgewirkt und zu niedrigeren Infektionszahlen geführt.

Söder sagte, es müsse gemeinschaftlich diskutiert werden, ob und welche Geschäfte in Deutschland wieder geöffnet werden könnten. Er sehe in diesem Zusammenhang auch eine Maskenpflicht in Deutschland als „hochwahrscheinlich“ an.

Deutschland will Maskenproduktion aufbauen

Für Deutschland bestehe über alle Varianten von einfachen Alltagsmasken bis zu Spezialmasken für medizinisches Personal ein Bedarf von mehreren Milliarden Stück innerhalb von Monaten, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Donnerstag in Berlin. Der Bedarf werde dauerhaft ansteigen und für lange Zeit hoch bleiben.

Allein im Gesundheitswesen ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn in der aktuellen Corona-Lage von einem Jahresbedarf von bis zu 450 Millionen FFP-2-Spezialmasken auszugehen. Hinzu kämen eine Milliarde Operations-Masken als Mund-Nasen-Schutz. Schutzausstattung ist derzeit weltweit knapp.

Die deutsche Regierung ist daher in eine Beschaffung eingestiegen und will über Anreize eine inländische Masken-Produktion aufbauen. Altmaier sagte, derzeit würden etwa 90 Prozent in Asien hergestellt. Ein Ziel sei erreicht, wenn es gelinge, diesen Prozentsatz sichtbar zu reduzieren.

Spahn berichtete, nach einer ersten kleineren Ausschreibung seien mehr als 100 Angebote eingegangen, die zuschlagsfähig erschienen. Dabei gehe es um erste Lieferungen bis Mitte August. Verträge sollten eine Laufzeit bis Ende 2021 haben, um Planungssicherheit zu bieten.
 

Virologe: Bevölkerung in Deutschland noch nicht stark durchseucht 

Aus Sicht des Virologen Christian Drosten hat sich das neue Coronavirus in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Die Bevölkerung insgesamt sei nicht stark durchseucht - trotz der hohen und steigenden Meldezahlen, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast. Er dämpfte Hoffnungen, wonach man mittels Antikörpertests nun in großer Zahl Menschen finde, die die Infektion schon unbemerkt hinter sich haben. „Das wird sich nicht so rausstellen.“

Drosten berief sich auf erste eigene Tests und Berichte von Kollegen in anderen Ländern. „Man findet nicht eine überraschend große Zahl von unerkannten echt positiven Antikörper-Ergebnissen“, sagte er. Antikörper gelten als Indikator für eine durchgemachte Infektion. Solche Studien seien nun, zu Beginn der Epidemie, in großer Breite erforderlich, sagte der Virologe. Punktuelle Untersuchungen hingegen seien „wirklich sinnlos“, da es bisher eine Zufallsverteilung bei den Infektionen gebe.