Coronavirus

Mehr als eine Million Infizierte, die US-Volte und der chinesische Totengedenktag

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus ist weltweit auf mehr 1,1 Millionen gestiegen. Das geht aus aktuellen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in den USA hervor. Die meisten Fälle wurden demnach in den USA gezählt, wo bis Samstagfrüh mehr als 278.000 Menschen als infiziert gemeldet wurden.

red/Agenturen

An zweiter und dritter Stelle lagen gemäß den Angaben der Universität Italien mit 119.827 gefolgt von Spanien mit 119.199 Fällen, Deutschland liegt mit 91.159 bekannten Infektionen auf Rang vier. Österreich hielt laut den Berechnungen als 14. des Rankings bei 11.524 Fällen.

Das Land mit den meisten Todesfällen ist den Angaben zufolge Italien, wo bisher 14.681 Menschen an Covid-19 starben. In den USA stieg die Zahl der Toten durch die Lungenkrankheit zuletzt binnen 24 Stunden um mehr als 1.400. Weltweit starben demnach knapp 60.000 Menschen mit oder an den Folgen der Virusinfektion.

Wissenschaftern zufolge dürfte die Dunkelziffer bei Fall- und Totenzahlen jedoch hoch sein. Zum einen hängt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen davon ab, wie viele Menschen überhaupt getestet werden. Außerdem haben manche Länder spät mit dem Testen angefangen oder setzen bewusst auf eine selektive Teststrategie. Zum anderen dürften viele Menschen mit Vorerkrankungen oder im hohen Alter durch die Virusinfektion gestorben sein, ohne dass Ärzte das zu dem Zeitpunkt erkannt hatten oder prüfen konnten.

Chinas Totengedenken mit Einschränkungen 

China gedachte am Samstag mit drei Schweigeminuten landesweit der Toten. Am chinesischen Totengedenktag heulten um 10.00 Uhr Ortszeit (4.00 Uhr MESZ) landesweit die Sirenen. Autos hupten und Schiffe ließen ihre Hörner ertönen. Die Nationalflaggen auf öffentlichen Gebäuden und in Botschaften Chinas weltweit wehten auf halbmast. Das Gedenken sei zu Ehren der „Märtyrer und Landsleute, die im Kampf gegen die Epidemie ums Leben gekommen sind“, teilte der Staatsrat mit. Mit weißen Trauerblumen am Revers ihrer dunklen Anzüge verneigten sich Staats- und Parteichef Xi Jinping und die Führung Chinas bei einer Zeremonie in Peking vor einer auf halbmast wehenden Flagge.

Am „Qingming-Fest" trauern die Chinesen traditionell um ihre Toten und gehen auf die Friedhöfe, um die Gräber zu säubern. Normalerweise werden Blumen, Essen und andere Gegenstände für die Toten abgelegt und Papiergeld sowie Räucherstäbchen verbrannt. Da aber weiter Einschränkungen in Kraft sind, um die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus zu verhindern, haben viele Provinzen die Menschen aufgefordert, in diesem Jahr nicht zu den Gräbern zu pilgern. Vielmehr solle daheim der Toten gedacht werden.

Friedhöfe organisierten kollektive Riten für die Toten. Auch wurden Plattformen im Internet eingerichtet, in denen virtuell Opfergaben überreicht werden können. In der schwer von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffenen Metropole Wuhan in der Provinz Hubei waren alle Versammlungen zum Totengedenktag untersagt. „Wir sind nicht zum Grab unserer Eltern gegangen", sagte eine 65-jährige Bewohnerin der 11-Millionen-Metropole. „Auch können wir in Wuhan noch nicht an Trauerfeiern teilnehmen."

In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong, wo ebenfalls drei Schweigeminuten eingelegt wurden, hatte die Regierung die sieben Millionen Einwohner ähnlich aufgefordert, nicht zu den Gräbern zu gehen. Die Menschen sollten es zu diesem „kritischen Zeitpunkt" in der Epidemie vermeiden, „unnötig nach draußen zu gehen". In der dicht bevölkerten Hafenmetropole wurden bisher rund 800 Infektionen gezählt.

In Festlandchina sind seit dem Ausbruch des Coronavirus vor gut vier Monaten nach amtlichen Angaben vom Samstag 3.326 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Mehr als 80.000 Menschen haben sich demnach infiziert. Die wahren Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert wurde und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

US-Virologe Fauci: Infektionsgefahr auch beim Sprechen

Die US-Regierung rät unterdessen in einer Kehrtwende zu ihrer bisherigen Politik inzwischen auch zum Tragen von Masken als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus. „Das ist freiwillig“, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus. Er selbst wolle keine Maske tragen, fügte der Präsident hinzu. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte gesunden Menschen ohne Symptome bisher explizit nicht zum Tragen von Masken geraten. Experten befürchten, dass eine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken eine verstärkte Nachfrage auslösen und damit den Mangel an Masken für Personal im Gesundheitswesen verschärfen könnte.

Gesundheitsminister Alex Azar kündigte außerdem an, die Behandlungskosten für Corona-Patienten ohne Krankenversicherung würden übernommen. Zum Bedecken von Mund und Nase könnten Schals oder selbstgemachte Masken zum Einsatz kommen, sagte Trump; medizinische Schutzmasken sollten dem Fachpersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vorbehalten bleiben.

Wegen der Corona-Krise gibt es in vielen Ländern Engpässe bei medizinischer Ausrüstung. Es mangelt vor allem an Profi-Schutzmasken, wie sie von Ärzten und Krankenschwestern sowie Altenpflegern benötigt werden. Mehrere Länder werfen den USA vor, für sie bestimmte Schutzmasken aufgekauft zu haben. Die USA weisen die Vorwürfe zurück.

Der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, verwies am Freitag im Sender Fox News auf „jüngste Informationen", wonach das Virus schon beim normalen Sprechen übertragen werden könne. Bisher wurde hauptsächlich Husten und Niesen als Übertragungsweg angesehen. Der Virologe Fauci berät den Präsidenten im Kampf gegen die Pandemie, die Ende vergangenen Jahres in China ihren Ausgang nahm.