Coronavirus

Venezuela will russischen Impfstoff herstellen

Die venezolanische Regierung will den russischen Impfstoff gegen das Coronavirus in dem südamerikanischen Land herstellen und testen lassen. Zu diesem Zweck gebe es bereits Gespräche mit Moskau, sagte Gesundheitsminister Carlos Alvarado am Donnerstag in Caracas.

red/Agenturen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat allerdings Vorbehalte gegen den Impfstoff vorgebracht, dessen finale Testreihe noch nicht abgeschlossen ist.

Alvarado sagte, Russland sei dazu bereit, das Serum auch in Venezuela testen und produzieren zu lassen. Mit Moskau sei bereits abgesprochen, dass in Venezuela Teilnehmer der dritten und finalen Testphase ausgesucht werden sollten, sagte der Minister nach einer Videokonferenz mit russischen Virusforschern. Bereits vor einigen Tagen hatte Alvarado gesagt, dass Venezuela zu dieser Testphase rund 500 Freiwillige beisteuern könne.

Der Impfstoff war vor zweieinhalb Wochen in Russland zugelassen worden. Dass dies bereits vor Abschluss der Tests geschah, war ein höchst ungewöhnlicher Schritt. Es handelt sich um das weltweit erste amtlich zugelassene Serum gegen das neuartige Coronavirus. Russland will schon im September in die industrielle Produktion einsteigen und plant ab Dezember oder Jänner bereits mit fünf Millionen Impfdosen monatlich.

Vertuschungsvorwurf gegen Regierung

Dem Serum wurde in Erinnerung an den ersten sowjetischen Weltraumsatelliten der Name „Sputnik V“ gegeben. Die finale Testreihe mit mehr als 2.000 Teilnehmern begann allerdings erst in diesem Monat. Westliche Wissenschafter haben Zweifel an der Entwicklungsgeschwindigkeit ihrer russischen Kollegen angemeldet und ihnen mangelnde Transparenz vorgeworfen.

In Venezuela haben die Behörden bisher rund 42.000 Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Die offizielle Zahl der Corona-Toten liegt bei etwa 350. Menschenrechtler werfen der Regierung des linksgerichteten Präsidenten Nicolás Maduro allerdings vor, das wahre Ausmaß der Ausbreitung des Virus im Land zu vertuschen.

Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, die auch zu einem Mangel an Arzneimitteln geführt hat. Maduro ist in einen erbitterten Machtkampf mit dem Oppositionsführer Juan Guaidó verstrickt, der sich selbst Anfang 2019 zum Übergangspräsidenten ausgerufen hatte. Guaidó wird von rund 60 Staaten offiziell anerkannt, darunter den USA und Österreich. Maduro hat allerdings im russischen Präsidenten Wladimir Putin einen wichtigen Verbündeten.

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Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, die auch zu einem Mangel an Arzneimitteln geführt hat. Menschenrechtler werfen der Regierung in Venezuela vor, das wahre Ausmaß der Ausbreitung des Coronavirus im Land zu vertuschen.
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