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Massentest

Wien, Vorarlberg und Tirol machen den Beginn

In den Bundesländern Vorarlberg und Tirol sowie der Bundeshauptstadt Wien starten heute, Freitag, die flächendeckenden, österreichweiten Corona-Massentestungen. In Vorarlberg und Tirol dauern sie bis inklusive Sonntag, Wien testet bis zum 13. Dezember. Dort unterstützen der Ärztefunkdienst und rund 300 Medizinstudierende die Testungen. Für die Wienerinnen und Wiener stehen dabei drei Standorte zur Verfügung. Der Betrieb findet täglich von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr statt.

red/Agenturen

In Vorarlberg werden in 80 Teststationen von 7.00 bis 17.00 Uhr Corona-Tests durchgeführt, in Tirol waren 297 Testlokale vorgesehen - ebenfalls überwiegend im selben Zeitraum. Am Freitag werden vorerst 130 davon geöffnet, hieß es seitens des Landes. Die anderen Bundesländer führen die Massentests dann am kommenden Wochenende durch, wobei das Burgenland am Donnerstag, den 10. Dezember, als erstes startet.

In der Bundeshauptstadt werden die Testungen vom Ärztefunkdienst unterstützt. Schon im Frühjahr hat dieser Corona-Verdachtsfälle zu Hause getestet. Diesmal werden 48 Ärztinnen und Ärzte für insgesamt 1200 Stunden im Testungszeitraum vom 4. bis 13. Dezember abgestellt, so Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien. Auch rund 300 Medizinstudierende der MedUni Wien unterstützen die Wiener Teststraßen.

Die Massentestungen seien ein durchaus probates Mittel, einen Überblick über den Corona-Ist-Zustand der Bevölkerung zu bekommen und würden etliche sonst unerkannte CoV-positive Personen herausfiltern. Sie seien aber gleichzeitig bei einem negativen Ergebnis nur eine kritische Momentaufnahme, warnt Steinhart und appelliert, alle gebotenen Vorsichtsmaßnahmen auch nach der Testung beizubehalten.

Nachtestungen via PCR

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat unterdessen am Donnerstag betont, die Empfehlungen seines Expertenstabes ernst genommen zu haben. Um falsch positive Ergebnisse zu vermeiden, werde es in ganz Österreich eine Nachtestung mittels PCR-Test geben, so der Minister in einer Aussendung. Außerdem habe die Regierung in ihrer Kommunikation klar darauf geachtet, keine falsche Sicherheit im Fall eines negativen Ergebnisses zu vermitteln.

Das Testergebnis sei „nur eine Bestandsaufnahme des Testtages und kein Freibrief für Sorglosigkeit", betonte Anschober diesbezüglich. Auch der Vorschlag von Mehrfachtestungen werde mit der nach den Feiertagen geplanten zweiten Testrunde umgesetzt.

Online-Beratungen in mehreren Sprachen

Das Integrationsministerium und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) haben für die nun anlaufenden Massentests eine Info-Offensive für Menschen mit Migrationshintergrund gestartet. Die Informationen in 17 Sprachen laufen über eine mehrsprachige Hotline, über Direkt-SMS oder Zusammenarbeit mit Multiplikatoren aus den Communitys, teilte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) mit.

Etwa würden mehrmals täglich Online-Beratungen in unterschiedlichen Sprachen abgehalten, bzw. mehrsprachige Mitarbeiter Fragen zu den Massentests unter der Hotline 01/715 10 51 - 263 beantworten. Zudem seien ab Donnerstag die wichtigsten Infos per SMS oder E-Mail an 50.000 Personen gesendet worden.

Die Massentests sind ein wichtiger Baustein, damit alle in Österreich lebenden Menschen so rasch wie möglich wieder in eine Normalität zurückkehren können, so Raab. Daher starte man parallel zur Kampagne in Deutsch auch diese mehrsprachige Offensive.

Wenige positive Ergebnisse in Vorarlberg

Die ersten im Rahmen der Corona-Massentestung in Vorarlberg durchgeführten Kontrollen haben nur wenige positive Ergebnisse erbracht. Bis 9.30 Uhr wurden laut Dashboard des Landes 12.131 Antigen-Tests gemacht, davon wiesen 51 eine Covid-Infektion aus. Damit lag der relative Anteil der positiven Tests bei 4,2 Promille. Im Vorfeld der Massentests hatte man in Vorarlberg - den Südtiroler Erfahrungen zufolge - mit einem Positiv-Anteil von einem Prozent gerechnet.

Die Teilnehmer am Massentest in Vorarlberg werden bis spätestens eine Stunde nach der Testung per SMS über ihr Ergebnis informiert. Wer einen positiven Test abliefert, kann noch am späten Nachmittag - nach dem regulären Testende um 17.00 Uhr - zur PCR-Testung kommen. Bei einem positiven Antigen-Test ist eine anschließende PCR-Testung Pflicht, um das erste Resultat zu bestätigen oder zu widerlegen.

In Vorarlberg waren bis Freitag, 9.30 Uhr, über 81.000 Personen zu den bis Sonntagabend laufenden Massentests angemeldet. Bezogen auf die Testberechtigten entsprach das etwa 23,5 Prozent aller Angesprochenen. Einen Anmeldeschluss gibt es aber nicht.

Tirol mit IT-Problemen

In Tirol hat zum Start der Corona-Massentestung Freitagfrüh offenbar bereits ein großer Andrang geherrscht. Dies würden Berichte aus unterschiedlichen Gemeinden ergeben, teilte das Land mit. Auch in Innsbruck wurde von teils großen Warteschlangen berichtet. Indes machte den Verantwortlichen aber die IT zu schaffen: Der ursprüngliche Plan, die Testaktion mit der vom Bund zur Verfügung gestellten zentralen Software durchzuführen, musste vorerst verworfen werden, hieß es.

Die Software des Bundes sei vorerst nicht verfügbar. Man gehe nun auf Nummer sicher und führe die Testung gemeinsam mit den Gemeinden mit dem eigenen, bewährten System über 1450 durch. Die meisten Gemeinden hätten in der Früh auf das analoge IT-System umgestellt. Eine Änderung für positiv Getestete habe dies nicht zur Folge: Diese würden nach wie vor automatisiert zeitnah nach der Testung informiert und aufgefordert, eine PCR-Testung durchzuführen.

Neu sei jedoch, dass alle negativ getesteten Personen vorerst nur verspätet oder keine Benachrichtigung erhalten. Somit können alle Personen, die innerhalb von etwa fünf Stunden nach der Testung kein Benachrichtigung erhalten haben, davon ausgehen, dass ihre Testungen negativ sind. Es sind dann für diese Personen keine weiteren Schritte zu setzen, erklärte der Projektleiter von Tirol testet, Elmar Rizzoli.

In Tirol waren am Freitag noch bei weitem nicht alle Testlokale geöffnet - sondern lediglich rund 130 von insgesamt 297. Vor allem kleinere Gemeinden folgen dann am Wochenende. Eine Änderung ergab sich überdies in Osttirol - aufgrund der dort prognostizierten schlechten Witterungsverhältnisse mit viel Schneefall: Manche Gemeinden änderten ihre Öffnungszeiten. So werden laut Land die Gemeinden des Defereggen- und Villgratentals ausschließlich am Freitag die Corona-Testungen durchführen. Obertilliach wiederum hat die Testlokal-Öffnungszeiten auf den 8. Dezember von 7.00 bis 17.00 Uhr verschoben.

„Massive Anmelde-Probleme“ auch in Niederösterreich

Mit der vom Bund zur Verfügung gestellten Software gebe es auch in Niederösterreich „massive Anmelde-Probleme“, sagte Stefan Spielbichler von Notruf NÖ am Freitag auf APA-Anfrage. Das Land setze deshalb auf das eigene System www.testung.at. "Es ist seit Donnerstagfrüh online", so der Sprecher. Auf der Plattform habe es seither schon mehr als 50.000 Anmeldungen gegeben.

 

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