Coronavirus

Bayer will Malariamedikament in großem Stil produzieren

Im Kampf gegen die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 setzt der Chemie- und Pharmakonzern Bayer auf sein Malariamittel Resochin und baut dessen Produktion aus. Bayer sehe das Medikament mit dem Wirkstoff Chloroquin als Hoffnungsträger, sagte Vorstandschef Werner Baumann nun dem „Handelsblatt“, es gäbe Hinweise, dass Resochin im Labor und in ersten klinischen Untersuchungen die Viruslast senken würde.

red/Agenturen

Das Medikament kann demnach die Vermehrung des Coronavirus bremsen und so zu einem milderen Krankheitsverlauf führen. Baumann kündigte an, Werke in Europa für die Resochin-Fertigung umrüsten zu lassen. Laut „Handelsblatt“ produziert der Leverkusener Konzern das Medikament bislang nur in Pakistan. Baumann sagte der Zeitung, das Mittel solle Regierungen weltweit in der Krise gespendet werden.

Zwar seien weitere klinische Studien notwendig, um das Verhältnis von Nutzen und Risiko bei Resochin zu klären, erklärte der Bayer-Chef. Zugleich plädierte Baumann dafür, im Einzelfall medizinisch abzuwägen: „Warten wir nun große Testreihen ab, um wirklich sicher zu sein? Oder verschenken wir damit Zeit, in der wir möglicherweise Menschenleben retten können?“

Produktion soll nach Europa verlagert werden

Das bereits in den 1930ern entwickelte Medikament zur Malariaprophylaxe ist schon seit einigen Wochen im Gespräch, nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des neuartigen Coronavirus gezeigt hatten, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Eine Abwägung von Risiko und Nutzen wird aktuell etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO gestartet.

Chloroquin war im März auch außerhalb von Fachkreisen verstärkt ins Gespräch gekommen, nachdem US-Präsident Donald Trump für den Einsatz des Malaria-Medikaments bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten geworben hatte. Experten sind angesichts möglicher Nebenwirkungen aber vorsichtig und warnen vor einer Selbstmedikation. So ist etwa in Frankreich die Behandlung von Covid-19-Erkrankten nur bei schweren Verläufen und nach Abstimmungen mit Ärzten erlaubt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA warnt allerdings explizit davor, Patienten mit dem Wirkstoff zu behandeln, nur in Notfällen solle das passieren.

 

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