Bestrahlungsverfahren verlängert Überleben mit Gebärmutterhalskrebs

Ein neues Bestrahlungsverfahren kann das Leben von Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs signifikant verlängern. Bei der Planung der Behandlung wird Magnetresonanztomographie statt Röntgen eingesetzt. Mitentwickelt wurde das Verfahren, das durch die präzisere Abbildung eine bessere Tumorkontrolle ermögliche, von der MedUni Wien unter Leitung von Richard Pötter und Christian Kirisit.

red/Agenturen

Die Standardtherapie besteht im Frühstadium aus einer Operation. Im lokal fortgeschrittenen Stadium kommt zunächst eine Kombination aus Bestrahlung von außen und Chemotherapie zum Einsatz. Der so verkleinerte Tumor wird danach mit einer Methode behandelt, bei der eine Strahlenquelle vorübergehend in die Gebärmutter eingebracht wird.

Eine Arbeitsgruppe der Universitätsklinik für Radioonkologie der MedUni Wien und des AKH Wien forschte an einer Verbesserung dieses Verfahrens. Dazu wurden über zehn Jahre lang 1.341 Patientinnen in 24 Zentren weltweit unter der Leitung der Wiener Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit einem Team aus Aarhus (Dänemark) behandelt: Im Rahmen der Studie "EMBRACE I" erfolgte die Bestrahlungsplanung mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Dies erlaube im Vergleich zu Röntgenaufnahmen eine hochpräzise Darstellung des Tumors. Die Strahlenquelle könne genauer platziert werden, was auch Nebenwirkungen verringere.

Beim MRT-unterstützten Verfahren konnte der Primärtumor in 92 Prozent der Fälle auch fünf Jahre nach der Behandlung im Bereich der Gebärmutter nicht mehr nachgewiesen werden. Vor allem Patientinnen mit fortgeschrittenen Tumoren (Stadium IIIB) profitieren, berichtete die MedUni: "In diesem Tumorstadium konnte im Vergleich zur Vorgängerstudie (RetroEMBRACE) eine Verbesserung von über 15 Prozent beobachtet werden."

Die Verbesserung der lokalen Tumorkontrolle scheine direkt zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens zu führen: Insgesamt wurde eine Fünf-Jahres-Gesamtüberlebensrate von 74 Prozent nachgewiesen, eine Verbesserung von neun Prozent. Außerdem belegten die Forschenden, dass selbst bei Einwachsen des Tumors in die Harnblase (Stadium IVA) und bei Vorliegen von Lymphknotenmetastasen entlang der großen Bauchgefäße ("paraaortal", Stadium IVB) eine sehr realistische Heilungschance bestehe (Fünf-Jahresüberleben von 52 Prozent bzw. 61 Prozent).

"Wir konnten zeigen, dass in der Strahlentherapie des Zervixkarzinoms ein personalisierter Therapiezugang sinnvoll machbar ist. Das Konzept ist so überzeugend, dass es sich, ausgehend von unserer Arbeit, nun weltweit durchsetzt", sagte Maximilian Schmid von der Wiener Arbeitsgruppe. Die Studie wird beim Europäischen Radioonkologiekongress präsentiert. Der in der Coronakrise von Wien ins Internet verlegte Kongress findet ab morgen, Freitag, bis 1. Dezember statt. Die Erkenntnisse werden zudem in der Folgestudie "EMBRACE II" weiter überprüft. Mit "EMBRACE III" ist auch eine Studie in Planung, die Anfang 2022 starten und eine weitere Individualisierung der Behandlung nach Risikoprofil untersuchen soll.

In Österreich erkranken etwa 400 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), 150 Betroffene sterben im gleichen Zeitraum daran. Weltweit ist das Zervixkarzinom die Krebserkrankung mit der vierthöchsten Mortalität bei Frauen.

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