Forschung zu SARS-CoV-2

Erste Coronavirus-Genome aus Österreich veröffentlicht

Wissenschafter vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben in Kooperation mit dem Zentrum für Virologie der Medizin-Uni Wien am Freitag die ersten 21 SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht. Die Analyse des Genoms erlaubt Rückschlüsse auf Infektionsketten und ist für die Entwicklung von Therapien und Impfungen relevant.

red/Agenturen

2.856 Genome von SARS-CoV-2 werden derzeit auf der Forschungsplattform nextstrain.org/ncov analysiert. Sie zeichnen einen zunehmend komplexen Stammbaum des mutierenden COVID-19-Erregers und klären über globalen Infektionsketten auf. In den nächsten Stunden werden 21 weitere Genome des Virus hinzukommen, die österreichischen Wissenschafter zuletzt sequenziert und am Freitag in der internationalen GISAID-Datenbank publiziert haben.

„Mit den von uns generierten Sequenzen kann man unter anderem epidemiologische Aufschlüsse erhalten und klären, welche Infektionsketten stattgefunden haben, wie das Virus von Patient A zu Patient B gewandert ist oder woher es gekommen ist. Diese Frage ist etwa bei Fällen aus Ischgl und Island interessant“, erläuterte der zuständige Projektkoordinator am CeMM, Andreas Bergthaler, im Gespräch mit der APA.

„In weiterer Folge wolle man aber auch auf molekularer Ebene besser verstehen, welche Kapazität das Virus hat, sich an unterschiedliche Gegebenheiten anzupassen, ergänzte Bergthaler. „Das Verständnis der Flexibilität des Virus ist gerade in Hinblick auf antivirale Therapien oder Impfstoffe wichtig“, sagte er.

Die Sequenzen aus Österreich ähnelten jenen in anderen Ländern, teilweise gibt es freilich Veränderungen, ergänzte er. Interessant seien viele Mutationen, die zu Änderungen auf der Proteinebene, bei Eiweißstoffen führen. „Das spricht für einen gewissen Selektionsdruck auf das Virus und könnte damit begründet werden, dass das Virus erst vor relativ kurzer Zeit auf den Menschen übergegangen ist und sich nun langsam, aber kontinuierlich weiter anpasst“, erklärte Bergthaler.

Der aktuellen Veröffentlichung von österreichischen Virusgenomen sollen weitere folgen. Im Rahmen des kürzlich gestarteten Projekts „Mutationsdynamik von SARS-CoV-2“ will das CeMM mit seinen Partnern an der Medizinischen Universität Wien insgesamt 1.000 virale Genome von COVID-19-Patienten aus Österreich analysieren.
 

„Das Verständnis der Flexibilität des Virus ist gerade in Hinblick auf antivirale Therapien oder Impfstoffe wichtig“, erläutert Andreas Bergthaler, Projektkoordinator am CeMM.