Für Krebspatient:innen bleibt Maske „wichtiger Schutz“

Rund 375.000 Personen in Österreich leben laut Statistik Austria mit einer Krebserkrankung. Diese haben in der Corona-Pandemie ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, Hospitalisierung und Tod, zeigen Studien. „Die Maske ist und bleibt ein ganz wichtiger Schutz“, sagte deshalb der Mediziner Arschang Valipour von der Wiener Klinik Floridsdorf am Montagabend bei einer Ärztefortbildung. Er rät Betroffenen zu drei Impfungen und erwartet bald bessere Covid-Medikamente.

red/Agenturen

Ungeachtet dessen, was gerade die offizielle Empfehlung zum Tragen von Masken ist, sei eine „Maske sinnvoll und gut“, betonte Valipour, vor allem bei erhöhten Infektionszahlen. Dieser Schutz sei wichtiger als Hände desinfizieren oder einander nicht die Hand zu geben, da SARS-CoV-2 über Aerosole übertragen wird. Am sichersten sind laut Studien FFP-zertifizierte Masken, diese sollten eng anliegend getragen werden, betonte der Pulmologe bei der Online-Veranstaltung der Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT).

Bereits vor der Corona-Pandemie haben sich Krebspatienten beispielsweise nach Knochenmarkstransplantationen schon mit Masken geschützt. Studien zeigen, dass sich das Verhalten von saisonalen respiratorischen Viruserkrankungen u.a. auch durch das breite Tragen von Masken in der Bevölkerung massiv geändert habe, sagte Valipour.

Maskenbefreiungen habe er bisher kaum ausgestellt, berichtete der Facharzt. Es „gebe tatsächlich ganz, ganz wenige Patient:innen“, die dies betreffe. Das seien Personen mit schwersten Lungenfunktionseinschränkungen, die unter einer FFP2-Maske „einen für sie nicht akzeptablen Atemwegswiderstand“ spüren. Diese könnten jedoch normale OP-Masken (Mund-Nasen-Schutz-Masken, Anm.) tragen.

Die Covid-Schutzimpfungen sprechen bei verschieden Krebsarten unterschiedlich gut an. Vor allem bei Patient:innen mit hämato-onkologischen Erkrankungen ist die Wirkung deutlich herabgesetzt. Es gebe wohlgemerkt Unterschiede, aber „der Booster bringt auch was bei Krebserkrankungen“, riet Valipour zu einer Vollimmunisierung. Eine Chemotherapie sollte für eine Impfung nicht verschoben werden, die Immunisierung sei aber beispielsweise in Chemotherapie-Pausen möglich.

Für Krebspatient:innen, die auch mit drei Impfungen keinen Schutz aufbauen, zeigte sich Valipour zuversichtlich, dass demnächst weitere Medikamente zur Verhinderung eines schweren Verlaufs verfügbar sind. Durch die Omikron-Mutation seien nicht viele wirksame Präparate übrig geblieben. Der Mediziner hoffte, dass das Antikörper-Kombinationspräparat Evusheld „bereits in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen könnte“. Dieses dürfte u.a. auch speziell für Krebspatient:innen zur Vorbeugung zugelassen werden.

„Wir haben entsprechende Projekte in Wien laufen, wo wir Personen, die eine Krebserkrankung haben, systematisch untersuchen, ob sie einen niedrigen oder hohen Titer haben.“ Diesen Personen könnten Präexpositions-Prophylaxe angeboten werden. „Dann könnten wir vielleicht einige dieser Patient:innen vor einer neuerlichen Hochinzidenzwelle besser schützen“, betonte Valipour.

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