Coronavirus 

Häufige Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns

Geruchs- und Geschmacksverlust sind einer neuen Studie zufolge sehr oft Symptome für die durch das neuartige Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Wissenschafter aus  Belgien untersuchten für die Studie 417 Infizierte mit leichtem Krankheitsverlauf.

red/Agenturen

Von ihnen berichteten 86 Prozent von einer Beeinträchtigung des Geruchssinns, der Großteil von ihnen roch sogar überhaupt nichts mehr. Über Probleme mit dem Geschmackssinn klagten 88 Prozent.

Frauen deutlich öfter von Problemen mit Geruchssinn betroffen

Der teilweise oder volle Verlust des Geschmackssinns bei Patienten ohne HNO-Vorerkrankungen müsse als „spezifisches Merkmal“ für eine Corona-Infektion angesehen werden, schreiben die Studienkoordinatoren Jérôme Lechien und Sven Saussez. Als Vorsichtsmaßnahme sollten solche Patienten "als potenziell mit Covid-19 infiziert und deshalb für mindestens sieben Tage isoliert werden“. Dies gelte auch für den Fall, dass diese kein anderes charakteristisches Symptom aufwiesen.

Auffallend bei der Untersuchung: Frauen waren deutlich öfter von Problemen mit dem Geruchssinn betroffen als Männer. Insgesamt hatten 44 Prozent der Patienten nach zwei Wochen ihren vollen Geruchssinn wieder. Es könne allerdings auch bis zu ein Jahr dauern, sagten die Forscher der Universität Mons voraus.

Vor allem in der Anfangsphase

Kürzlich kam auch eine Studie der Mailänder Universität „Statale“, unter der Leitung des Virologen Massimo Galli zu einem ähnlichen Ergebnis. Ihr zufolge beklagen ein Drittel der Coronavirus-Infizierten in Italien Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. „Dieses Problem wird vor allem in der Anfangsphase der Infektion gemeldet und trifft vor allem jüngere Menschen und Frauen, geht aus geführt wurde hervor“, hieß es

„Wir haben festgestellt, dass Patienten mit leichteren Symptome Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns beklagen, wenn sie bereits auf dem Weg der Genesung sind. Bei Patienten, die im Krankenhaus liegen und also akutere Symptome haben, werden diese Störungen bereits in der Anfangsphase der Infektion gemeldet“, berichtete Galli.

Auch Erkrante in Deutschland berichten von Verlust des Geschmacks- und Geruchssinn

Die Ergebnisse der Studie wurden von der prestigereichen Fachzeitschrift „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlicht. Einige Mediziner fordern bereits, Riechstörungen als Anzeichen für eine Ansteckung zu werten - und Betroffene in Quarantäne zu schicken.

Der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn war auch ein häufig dokumentiertes Symptom bei einer von dem Bonner Virologen Hendrik Streeck angeleiteten Befragung unter 100 Erkrankten im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. „Das am häufigsten beschriebene Symptom war trockener Reizhusten mit 70 Prozent, vor dem Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn mit 68 Prozent und Müdigkeit mit 68 Prozent“, so Streeck.

Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dauern milde Krankheitsverläufe im Mittel zwei Wochen. Die Krankheit beginne nach den bisherigen Erfahrungen mit Halskratzen oder -schmerzen und oftmals Fieber, so Streeck. Und damit wie viele Erkältungskrankheiten. Gibt es Anzeichen, anhand derer man Covid-19 klar unterscheiden kann? „Das Einzige, was Grippe nicht hervorruft, ist dieser Geschmacks- und Geruchsverlust“, sagt Streeck. Ansonsten gelte bei milden Verläufen: „Es ist wie ein grippaler Infekt. Die Betroffenen hätten die Infektion mit Sars-CoV-2 überhaupt nicht gemerkt.“

Geruch
Wissenschafter untersuchen, welche Zellen am meisten die beiden wichtigsten Eintrittsproteine ACE2 und TMPRSS2 enthalten, die das Virus für die Infektion nutzt.
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