Neurologie

Langzeitgedächtnis-Einträge funktionieren via speziellem Eiweißstoff

Ob etwas ins Langzeitgedächtnis geschrieben oder rasch wieder vergessen wird, hängt vom Zustand und Aufenthaltsort eines Proteins in den Hirnzellen ab, berichtet der in Österreich geborene, von den Nazis vertriebene Nobelpreisträger Eric Kandel mit Kollegen im Fachjournal „Pnas“.

red/Agenturen

So sehr Erinnerung einen Menschen ausmacht, ist sie im Kern ein biologischer Prozess wie der Herzschlag, erklärte er. Erinnerungen werden aufgebaut, indem in der zuständigen Hirnregion (Hippocampus) Verbindungen (Synapsen) von Nervenzellen zueinander verstärkt werden. Es war schon zuvor bekannt, dass ein Eiweißstoff namens CPEB3 die Bauanleitung (mRNAs) von Synapsen-Verstärkern bei Bedarf freigibt und somit Langzeitgedächtnis ermöglicht. Ein Team um Kandel, der an der Columbia University in New York (USA) forscht, hat nun an Mäusezellen herausgefunden, wann und wie CPEB3 dies tut.

Ein kleines Anhängsel (SUMO-Protein) versetzt CPEB3 in den Ruhestatus. Dann weilt es gemeinsam mit den Synapsen-Verstärker-Bauanleitungen in einem Zellbereich (P-bodies), wo solche Dokumente gelagert und teils geschreddert, aber nicht gelesen werden. Bei einem entsprechenden Reiz verschwindet das Anhängsel von CPEB3 und es wird samt den Synapsen-Verstärker-Bauanleitungen in einen anderen Zellbereich (Polysom) rekrutiert, wo diese eifrig abgelesen werden, berichten die Forscher. Umso mehr CPEB3 dorthin kommt, umso stabiler ist die Erinnerung.

Pnas-Artikel

 

Eric Kandel
Eric Kandel wird anlässlich seines 90. Geburstages geehrt. Erinnerung und Gedächtnis sind die zentralen Themen im Leben des Nobelpreisträgers.
Stefan Seelig