Coronavirus

Linzer Corona-Experte: Teil-Lockdown hätte große Wirkung

Die Intensivmedizin sei wegen der stark steigenden Covid-19-Erkrankungen „nicht mehr sehr weit“ von der Kapazitätsgrenze entfernt, sagte der Linzer Corona-Experte Bernd Lamprecht Donnerstag in der „ZIB2“. Maßnahmen zur Dämpfung der Infektionsentwicklung seien geboten. Ein „modifizierter, differenzierter Lockdown“ - mit offenen Schulen und Arbeitsplätzen, aber Unterbindung von Freizeit-Kontakten durch Einschränkungen im Abend- und Nachtlebens - könnte „große Wirkung zeigen“.

red/Agenturen

Das „beherzte Experiment mit der Eigenverantwortung“ könne in Österreich, wie auch in anderen Teilen Europas, wohl als beendet betrachtet werden, stellte der Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz fest, dass man jetzt andere Maßnahmen ergreifen müsse. Der Lockdown im Frühjahr habe sich als „extrem wirksame Maßnahme“ erwiesen.

Lamprecht verwies darauf, dass die Intensivbetten-Kapazität - bei der es, weil sie teuer ist, nur einen „kleinen Spielraum für Spitzenbelastungen“ gebe - nicht beliebig nach Bedarf ausgebaut werden kann. Das dafür nötige qualifizierte Personal sei nicht einfach verfügbar. Und es bestehe auch nicht die Möglichkeit, andere Leistungen zurückzufahren, um genug Platz für die Corona-Patienten zu haben. Denn auf der Intensivstation würden nahezu nur nicht verschiebbare Leistungen erbracht, wie dringende Herz-Operationen oder Versorgung nach schweren Verkehrsunfällen. Somit bleibe nur, den Zustrom zu regulieren, indem man den Zuwachs an Corona-Infektionen bremst, konstatierte Lamprecht.

Deutsche Maßnahmen auch für uns perfekt

Auch Norbert Nowotny, Virologe der Vetmed Uni Wien, schlägt in eine ähnliche Kerbe und glaubt, dass die ab kommender Woche in Deutschland in Kraft tretenden Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie „auch für uns perfekt passen“ würden. In ORF-„Wien heute“ sagte er am Donnerstagabend: „Ich weiß, das ist restriktiv, aber notwendig.“ Ausgangsbeschränkungen, wie sie in Frankreich oder Tschechien eingeführt werden, hielt der Experte vielleicht „noch nicht für notwendig“.

In Deutschland müssen ab dem 2. November für vier Wochen Theater, Opern, Konzerthäuser, Messen, Kinos, Freizeitparks und Spielhallen schließen. Der Freizeitsport wird im November gestoppt, Sportanlagen und Schwimmbäder müssen ebenso dichtmachen wie Fitnessstudios. Friseure sollen weiter arbeiten dürfen, Nagel-und Tattoostudios dagegen nicht. Medizinisch notwendige Behandlungen, zum Beispiel Physiotherapien, bleiben weiter möglich. Reisen sollen auf ein Minimum reduziert werden.

Kriterium: Kapazität der Intensivbetten

Nowotny wies darauf hin, dass es das Kriterium sei, bei der Kapazität der Intensivbetten nicht an die Grenzen zu stoßen. Die derzeitige Entwicklung - am Donnerstag wurden österreichweit knapp 4.500 neue SARS-CoV-2-Infektionen vermeldet - verheiße in zwei Wochen „nichts Gutes“: Man rechne, dass einer von 100 Neuinfizierten innerhalb von zweieinhalb bis drei Wochen auf einer Intensivstation behandelt werden muss.

Der Virologe plädierte dafür, ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland so schnell wie möglich zu implementieren. Er hoffe, dass durch eine Befassung des Hauptausschusses keine großen Verzögerungen eintreten würden. Innerhalb von vier Wochen könnte die Zahl der Neuinfektionen auf unter 1.000 gedrückt werden, hofft Nowotny. „Deutlich darunter wäre besser“, sagte er.