Coronavirus

Österreichs letzter Tag vor dem zweiten Lockdown

Der Montag, letzter Tag vor dem zweiten Lockdown in Österreich, stand bereits ganz im Bann der bevorstehenden Maßnahmen. Obwohl sich die Bevölkerung auf die Beschränkungen vorbereitete, blieben Hamsterkäufe wie noch im Frühjahr diesmal aus. Zudem wurde großteils Verständnis für die Maßnahmen signalisiert, da laut Experten nur dadurch Engpässe bei der medizinischen Versorgung vermieden werden könnten.

red/Agenturen

Der von der Regierung angekündigte „zweite Lockdown“ dauert bis mindestens bis 30. November. Vorgesehen sind etwa Ausgangsbeschränkungen zwischen 20.00 und 6.00 Uhr. In dieser Zeit darf man nur zu bestimmten Zwecken den Wohnbereich verlassen. Dies tritt bereits am Dienstag um 0.00 Uhr in Kraft. Neben den nächtlichen Ausgangsbeschränkungen dürfen sich nur mehr zwei Haushalte treffen, Garagen- und Gartenpartys sind auch verboten. Der gesamte Handel und Dienstleister wie Friseure bleiben diesmal offen.

Düster schaut es für Gastronomie sowie Freizeit- und Tourismuswirtschaft aus: Veranstaltungen werden mit Ausnahme des Profisports verboten. Auch Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder oder Fitnessstudios müssen schließen. Lokale dürfen nur noch Abhol- und Lieferdienste anbieten, Hotels keine Touristen, sondern nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. Kindergärten, Volksschulen und Unterstufenklassen bleiben nun anders als im März geöffnet, die Oberstufe wechselt ebenso wie die Unis ins Distance Learning. Besuche in Krankenhäusern und in Alters-und Pflegeheimen werden limitiert

Experten wiesen neuerlich auf Belastung der Spitäler hin

Angesichts der dramatischen Zunahme von Covid-19-Fällen, die in den Spitälern intensivmedizinisch betreut werden müssen, haben Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und mehrere Experten am Montag Alarm geschlagen. Binnen einer Woche war ein Anstieg um 62 Prozent in den Spitälern zu verzeichnen. Auf den Intensivstationen machte das Plus sogar 78 Prozent aus. Am Montag befanden sich bei 4.135 Neuinfektionen binnen 24 Stunden 2.161 Patienten im Spital, um 213 mehr als am Sonntag. 336 Patienten bedurften intensivmedizinischer Betreuung - ein Zuwachs von 45 Personen gegenüber dem Vortag.

Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte es im intensivmedizinischen Bereich kritisch werden, warnte Anschober. Man müsse „alles tun, um die Trendwende ab Mitte November zu erreichen". Er gehe davon aus, „dass die Zahlen (was die Neuinfektionen betrifft, Anm.) in dieser Woche deutlich steigen werden“, zumal die nachgeschärften Maßnahmen, die eine Weiterverbreitung des Virus verhindern sollen, erst mit zeitlicher Verzögerung wirken.

Von hundert mit SARS-CoV-2-Infizierten benötigen laut Statistik fünf ein Spitalsbett, ein Patient muss intensivmedizinisch betreut werden. Die eklatante Zunahme von Neuinfektionen sei „ein Problem, wenn man bestmögliche Betreuung liefern möchte“, gab Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) zu bedenken: „Die Ressourcen sind endlich".

Beim ersten Lockdown wurde der Dienst der Zivildiener und Grundwehrdiener verlängert und die Miliz einberufen, für die Polizei wurde eine Urlaubssperre erlassen. Diesmal ist man hier weniger alarmiert. Das Innen-, das Verteidigungs- und das Zivildienstministerium sind vorerst nicht im Krisenmodus, ergab ein Rundruf der APA. Man stehe aber zur Verfügung.

Um 19 Uhr, eine Stunde vor Beginn der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen, sollen während des Lockdowns die Geschäfte schließen. Auf eine entsprechende Öffnungszeitenregelung im Handel haben sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer am Montag geeinigt. Der Lockdown trifft erneut vor allem die Freizeitwirtschaft. Im Tourismus hofft man, dass die Infektionszahlen stark zurückgehen und damit eine halbwegs normale Wintersaison möglich wird.

Hamsterkäufe blieben diesmal aus

Wie sich am Einkaufsverhalten zeigt, gehen die Österreicher diesmal routinierter mit dem Ausnahmezustand um. So kam es im Gegensatz zum März zu keinen Hamsterkäufen. Für die Supermarktketten war der Samstag zwar ein starker Einkaufstag, aber nicht zu vergleichen mit dem Rekordtag am Freitag, den 13. März, kurz vor dem ersten Lockdown.

Der Arbeitsmarkt ist bereits vor Beginn des zweiten Lockdowns angespannt. Ende Oktober waren 423.750 Menschen ohne Job, ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Ökonomen schließen nicht mehr aus, dass die Zahl über den Winter auf über 500.000 steigt. Auch die Menschen in Kurzarbeit, insbesondere in der Gastronomie und Hotellerie, dürften wieder mehr werden.

Im zweiten Lockdown werden nicht nur die Oberstufenschüler in den Fernunterricht geschickt. Auch die Hochschulen sollen auf die Ampelfarbe orange wechseln und nur noch Lehrveranstaltungen an Ort und Stelle abhalten, bei denen das unbedingt notwendig ist, etwa bei praktischen Laborübungen. Auch Prüfungen sollen wo möglich digital stattfinden, in den Bibliotheken soll nur noch die Ausleihe, aber kein Lernbetrieb mehr möglich sein, heißt es in einer Empfehlung des Bildungsministeriums. „Ich will nicht, dass junge Menschen ihre wertvolle Studienzeit verlieren“, betonte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Montag.

Alle drei Breitensport-Dachverbände tragen die ab Dienstag geltenden Corona-Lockdown-Maßnahmen mit, wünschen sich aber dringend Ausnahmen für Breiten- und Vereinssport sowie den Kinder- und Jugendbereich. Als erste Reaktion wird man überall das digitale Bewegungsangebot aus dem ersten Lockdown für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder hochfahren, wird von ASVÖ, ASKÖ und Sportunion versprochen.

Die Fußball-Bundesliga kann auch ohne Stadionzuschauer dank des Profiligen-Förderprogramms der Regierung vorerst leben. Liga-Vorstand Christian Ebenbauer baut auf die Präventionskonzepte. „Solange der Spielbetrieb behördlich erlaubt ist und solange die von den Clubs beschlossenen Spieler auch zur Verfügung stehen, ist es für mich außer Zweifel, dass die Spiele auch stattfinden werden."