30 Jahre Forschung

Hauptlieferant von Epo im menschlichen Körper identifiziert

Nach über dreißig Jahren Forschungsarbeit hat ein internationales Forschungsteam den Hauptlieferanten des als Dopingmittel Epo bekannten Erythropoetin identifiziert. Die neu entdeckten Zellen haben großes medizinisches Potenzial. „Wir haben einen neuen Zelltyp entdeckt - das ist nicht alltäglich. Wir sind richtig euphorisch“, sagte Roland Wenger, Forscher an der Universität Zürich (UZH).

red/Agenturen

Vorgestellt wurden die neuen Zellen am Donnerstag im renommierten Fachblatt „Nature Medicine“. Das Forschungsteam aus der Schweiz, Israel, Dänemark und Deutschland benannte die neu entdeckte seltene Untergruppe der Nierenzellen nach der nordischen Göttin Norn-Zellen.

„In den letzten Jahrzehnten hatten wir jede Menge mögliche Zellen im Verdacht, Epo zu produzieren“, erklärte Wenger. Er forscht selbst seit mehreren Jahrzehnten am Epo-Produktionsmechanismus. Erst die neuesten technischen Möglichkeiten haben die Identifizierung der Norn-Zellen als Epo-Hauptlieferanten aber möglich gemacht.

Das Hormon Erythropoetin ist in erster Linie für die Produktion von roten Blutkörperchen im Körper verantwortlich. Wenn der Sauerstoffgehalt im Blut niedrig ist, wird Epo freigesetzt, um die Produktion roter Blutkörperchen anzuregen und so den Sauerstofftransport im Körper zu erhöhen.

Großes medizinisches Potenzial

Beim Doping mit Erythropoetin wird dem Körper künstlich zusätzliches Epo zugeführt, um die Produktion roter Blutkörperchen zu steigern. Dadurch erhöht sich die Sauerstoffaufnahme und die Transportkapazität des Blutes, wodurch der Körper eine höhere körperliche Leistung erbringen kann. Doch die Leistungssteigerung hat ihren Preis: Es besteht die Gefahr starker Nebenwirkungen.

Die Nebenwirkungen betreffen nicht nur gedopte Sportler:innen, sondern auch Menschen, die Epo als Medikament einnehmen. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung leiden an chronischen Nierenerkrankungen, die häufig zu einer Beeinträchtigung der Epo-Produktion führen und im schlimmsten Fall tödlich enden können.

Hier liegt laut Wenger das Potenzial der Identifizierung der Norn-Zellen: „Wir haben damit den Grundstein für neue Techniken gelegt, mit denen man Zellen dazu bringen kann, mehr Epo zu produzieren, ohne künstliches Epo verabreichen zu müssen.“