Covid-19-Impfstoffe

Klinische Tests werden weltweit vorangetrieben

Weltweit forscht die Pharmaindustrie fieberhaft an möglichen Covid-19-Impfstoffen. In Russland soll die zweite Phase klinischer Tests eines Impfstoffs in zwei Wochen abgeschlossen sein. In Brasilien startet in Kürze die dritte Testphase eines chinesischem Corona-Impfstoffs. Das französische Biotechunternehmen Valneva  will im November mit den klinischen Studien seines potenziellen Corona-Impfstoffes starten.

red/Agenturen

Russland will rund 200 Millionen Impfdosen herstellen

Russland hofft, noch in diesem Jahr 200 Millionen Dosen eines Corona-Impfstoffs herstellen zu können, der derzeit entwickelt wird. Die erste Phase klinischer Tests mit dem Mittel sei bereits abgeschlossen und die zweite Phase solle voraussichtlich in zwei Wochen abgeschlossen sein, sagte Kirill Dmitrijew von der russischen Stiftung zur Impfstoffentwicklung am Montag der Website Stopcoronavirus.rf.

In der dritten Phase solle der Impfstoff zeitgleich in Russland und in mehreren weiteren Ländern getestet werden, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Staaten in Afrika. Möglicherweise „schon im August“ solle der Impfstoff dann in Russland zugelassen werden und in die Massenproduktion gehen, sagte Dmitrijew. Sobald das Mittel auch in den Partnerstaaten zugelassen sei, solle es auch dort hergestellt werden, so dass bis Jahresende 200 Millionen Dosen produziert werden könnten, davon 30 Millionen in Russland.

Großbritannien, die USA und Kanada hatten Russland in der vergangenen Woche Versuche vorgeworfen, mit Hilfe von Hackern Informationen zu Corona-Impfstoffen zu stehlen. Moskau wies dies entschieden zurück.

Bei der Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen steht Russland nach den USA, Brasilien und Indien mit fast 780.000 an vierter Stelle. Am Montag meldeten die Behörden erstmals seit Ende April weniger als 6.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Auch die Zahl der neuen Corona-Toten war demnach mit 85 so niedrig wie seit 4. Mai nicht mehr. Nach offiziellen Angaben wurden in dem Land bisher rund 12.400 Todesfälle durch das Virus registriert.

Test von chinesischem Corona-Impfstoff in Brasilien 

Unterdessen ist per Flugzeug ist ein wichtiger Corona-Testimpfstoff im brasilianischen Sao Paulo angekommen: Der chinesische Pharmakonzern Sinovac möchte in Brasilien damit die entscheidende dritte Testphase seines Impfstoffs starten. Laut brasilianischem Fernsehen sollte der Impfstoff weiter zum federführenden Forschungszentrum Instituto Butantan in der brasilianischen Metropole gebracht werden.

Fast 9.000 Angestellte aus dem Gesundheitssektor sollen den Impfstoff erhalten. Nach einem Bericht der Zeitung „O Globo“ hatten sich für den Test zuletzt in fünf Tagen eine Million Freiwillige gemeldet. In der dritten Testphase (Phase III) wird die Wirksamkeit eines Stoffes an einer größeren Gruppe von Menschen ermittelt.

Auch AstraZeneca setzt auf Lateinamerika

Der Test von Sinovac ist einer der ersten weltweit und bereits die zweite Phase III-Studie in Brasilien. Ein Corona-Impfstoff des britischen Pharmaunternehmens AstraZeneca, der von Forschern der Universität Oxford entwickelt wurde, wird in dem größten und bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas schon getestet.

In dem Staat mit 210 Millionen Einwohnern breitet sich das Virus immer noch rasant aus. Brasilien durchbrach vergangene Woche die Marke von zwei Millionen bestätigten Infektionen. Täglich melden die Behörden rund 1.000 Todesfälle. „Wenn alles gut geht, werden wir die Impfung in Brasilien vielleicht im ersten Quartal 2021 haben“, sagte Ricardo Palacios, Direktor für medizinische Studien des Instituto Butantan, kürzlich in einem Interview.

Austro-französische Valneva vor Corona-Impfstoff-Studie

Das französische Biotechunternehmen Valneva mit großem Forschungsstandort in Wien will im November oder Dezember mit den klinischen Studien seines potenziellen Corona-Impfstoffes starten. Der Zeitplan sei zwar langsamer als bei einigen anderen, aber der traditionelle Ansatz des Unternehmens könne sich als effektiver erweisen als neuere Strategien wie die von BioNTech und Pfizer, sagte Valneva-Chef Thomas Lingelbach am Montag.

Großbritannien stehe an der Spitze der Warteschlange für Dosen seines potenziellen Impfstoffs, so Lingelbach. Das britische Wirtschaftsministerium hatte zuvor mitgeteilt, sich bei Valneva sowie der deutschen Firma BioNTech und deren US-Partner Pfizer vertraglich insgesamt 90 Millionen Dosen von zwei potenziellen Covid-19-Impfstoffen gesichert zu haben. „Meine persönliche Arbeitshypothese ist, dass die ersten 60 Millionen Dosen nach Großbritannien gehen“, sagte Lingelbach, obwohl Details noch verhandelt werden müssen. Er betonte zudem, auch mit der EU in Gesprächen über die Versorgung mit einem möglichen Corona-Impfstoff zu sein. Valeva als Unternehmen gibt es seit 2013: Damals fusionierte die Wiener Biotech-Firma Intercell mit der französischen Vivalis, der Firmensitz wurde Lyon.

Die Aktie von Valneva kletterte an der Wiener Börse am Montag um bis zu 14 Prozent auf 5 Euro nach oben. Das Papier ist zweitgelistet in Wien und hauptgelistet an der Euronext-Börse. BioNTech und der deutsche Mitbewerber CureVac, der diesen Monat seine klinische Studie startete, haben sich auf Impfstoffe auf Basis der so genannten Boten-RNA (mRNA) spezialisiert. Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln. Valneva arbeitet dagegen mit inaktiven Coronaviren.