Siemens-Medizintechniktochter will groß ins Antikörper-Testgeschäft

Die Medizintechniktochter von Siemens will groß ins Geschäft mit Antikörper-Tests zur Erkennung des Coronavirus einsteigen. Siemens Healthineers könne die Produktion der Proben ab Juni nach Bedarf bis auf 50 Millionen pro Monat hochfahren, teilte das deutsche Unternehmen am Dienstag in Erlangen mit.

red/Agenturen

Die ersten Tests, die in den USA in Walpole (Massachusetts) und in Glasgow (Delaware) vom Band laufen, seien schon ausgeliefert. Die Notfallzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA sei beantragt, der Test könne dort aber schon jetzt verwendet werden, sagte ein Sprecher. In Europa hat er bereits die nötige CE-Zertifizierung.

Healthineers-Finanzchef Jochen Schmitz hatte den Preis für den Antikörper-Test auf einen kleinen einstelligen Euro-Betrag beziffert.

Molekulardiagnostik bisher keine Domäne der Siemens-Tochter

Mit Antikörper-Tests wird festgestellt, ob ein Mensch mit dem Virus infiziert war und sein Organismus Antikörper dagegen gebildet hat. Ihre massenhafte Verfügbarkeit gilt als wichtiger Schritt im Umgang mit dem Virus. Nur so lässt sich erkennen, welcher Anteil der Bevölkerung bereits immun dagegen ist. Der von Healthineers entwickelte Test knüpft an ein Schlüssel-Protein an der Oberfläche des Virus an, das auch die Entwickler möglicher Impfstoffe im Visier haben. Der Antikörper-Test würde dann auch Hinweise liefern, ob ein Impfstoff wirkt.

Siemens Healthineers ist neben Roche und Abbott Labs führend in der Labordiagnostik. Der neue Test läuft auf 20.000 Laborsystemen, darunter auf dem neuen Hoffnungsträger Atellica, den Healthineers vor zwei Jahren eingeführt hatte. Auf diesem System ließen sich bis zu 440 Tests pro Stunde analysieren, ein Ergebnis liege in zehn Minuten vor, erklärte Healthineers. Der schweizerische Rivale Roche hatte Anfang Mai einen Antikörper-Test vorgestellt, der auf einen Durchsatz von 300 Analysen pro Stunde kommt und ein Ergebnis in 18 Minuten zeigt. Die älteren Healthineers-Geräte schaffen bis zu 240 Proben pro Stunde.

Im April hatte Siemens Healthineers bereits einen Covid-19-Test auf den Markt gebracht, mit dem sich eine akute Infektion mit dem Virus erkennen lässt. Davon können inzwischen 2,5 Millionen pro Monat ausgeliefert werden. Die Molekulardiagnostik, zu der diese Art von Tests gehört, ist jedoch - anders als die Antikörper-Tests - keine Domäne der Siemens-Tochter.

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Mit Antikörper-Tests wird festgestellt, ob ein Mensch mit dem Virus infiziert war und sein Organismus Antikörper dagegen gebildet hat. Ihre massenhafte Verfügbarkeit gilt als wichtiger Schritt im Umgang mit dem Virus.
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