Wissenschaft

Trotz der hohen Zahl an Lebererkrankten fehlt das Bewusstsein dafür in allen Ebenen: bei politischen Entscheidungsträgern, im Gesundheitssystem sowie beim Konsumenten. Dabei mangelt es auch nicht an konkreten Ideen.
Deutscher Lebertag

Stille Killer

Belebend, berauschend und tödlich: Alkohol steht für Leichtigkeit und Genuss, stapelt sich bei Feiern auf dem Tisch, schmückt Litfaßsäulen – und trägt immer häufiger dazu bei, dass Menschen schon in jüngeren Jahren sterben. Das Genussmittel kann über Jahre unbemerkt die Leber schädigen – oft bis zu einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Warum es sich lohnt, die Zahl der konsumierten Weingläser im Blick zu haben und was die Politik tun muss, erläutert Aleksander Krag, Vize-Generalsekretär der Europäischen Gesellschaft für Leberforschung (EASL).

Edvard Munch Vampire 1895
Medizingeschichte

Eine Endemie als Ursprung des Vampiraberglaubens

Der Untote, das muss ein Wiener sein! Oder so ähnlich, denn wenig bekannt ist, dass die bis heute bestehende Vorstellung des Vampirs auf historische Schriftstücke zurückgeht, die immer noch im Wiener Hofkammerarchiv aufliegen und schon Bram Stoker zu seinem „Graf Dracula“ inspirierten – und den renommierten Gerichtsmediziner Prof. Dr. Christian Reiter zu einem Vortrag im Rahmen der Wiener Medizinischen Tage der Ärztekammer für Wien, in dem er eindrücklich die Ursache der „Vampyrseuche“ aus heutiger medizinischer Sicht identifiziert und die Wurzeln des Vampiraberglaubens als Folge des Verhaltens der Wiener Militärärzte aufdeckt. Eine medizinhistorische Detektivgeschichte.

(Lisa Lukitsch-Dittlbacher)
Grafik
Gynäkologie

Körpermaße bei Geburt sagen psychomotorische Entwicklung voraus

Bochumer Mediziner haben eine simple Methode entdeckt, um die psychomotorische Entwicklung im Vorschulalter von 4 Jahren teilweise vorauszusagen. Sie untersuchten prospektiv 5.301 Säuglinge mit einem Ultraschall des Schädels. Dabei wurde ein interessante Korrelation festgestellt.

Long Covid
Coronavirus

Früherkennung: Biomarker für Long Covid identifiziert

Ein Bluttest könnte britischen Wissenschaftlern zufolge möglicherweise helfen, Long COVID rascher vorherzusagen und zu diagnostizieren. Über die Anzahl von bestimmten Blutproteinen konnten die Forscher sechs Wochen nach der Ansteckung mit SARS-CoV-2 das Risiko von Long Covid vorhersagen.

Shinya Yamanaka
Zellforschung

Aus Alt mach Neu

Er gilt als Pionier der Stammzellforschung: Der Japaner Shin’ya Yamanaka. Ihm gelang es, Körperzellen von Patient:innen zu Stammzellen umzuprogrammieren, also ausgereifte Körperzellen radikal zu verjüngen. Damit ebnete er auch den Weg für neue Technologien in der Hirnforschung. Gemeinsam mit dem Briten John Gurdon erhielt der Forscher 2012 für seine Entdeckung den Medizin-Nobelpreis. Vor wenigen Tagen feierte der Wissenschafter seinen 60. Geburtstag.

Haus der Barmherzigkeit

Altersforschung unter neuer Führung

Der Public Health-Experte Thomas Dorner ist seit August für die Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit verantwortlich. In seiner neuen Funktion leitet er den Bereich Lehre und Forschung am Haus der Barmherzigkeit und ist für Forschungsprojekte in den Bereichen Geriatrie und Gerontologie verantwortlich. Bisher forschte der Allgemeinmediziner an der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Universität Wien. Seit 2020 leitet er zudem das Karl Landsteiner Institut für Gesundheitsförderungsforschung und ist seit 2012 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health. In den vergangenen zwei Jahren war Dorner Ärztlicher Leiter eines Gesundheitsförderungszentrums der Sozialversicherung.

Schilddrüsengesundheit

„Man weiß es einfach viel früher"

Georg Zettinig hat seine Schilddrüsenpraxis in der Wiener Josefstadt 2004 gegründet. Welche Quantensprünge es seither in seinem Fach gab, warum aggressive Schilddrüsenkarzinome de facto ein Fall für die Geschichtsbücher geworden sind und wie Schilddrüsenerkrankungen und Psyche verzahnt sind, erläutert er im medinlive-Gespräch.

(Eva Kaiserseder)
Gregor Mendel briefmarke
200. Geburtstag von Gregor Mendel

„Lieb gewordene Bastardisierungsversuche"

Als österreichisch-mährischer Bauernsohn geboren, zum Augustiner-Abt in Brünn geworden und zu Lebzeiten als Forscher verkannt: Gregor Mendel wäre heute 200 Jahre alt geworden und beeinflusst noch heute die Medizin. Ohne ihn wäre die Genetik, ein Schlüssel zum Verständnis vieler Krankheiten, eine andere.

Maria Buti Philippa Easterbrook WHO on Hepatitis cases in kids EASL ILC 2022 London
Hepatitis Fälle bei Kindern

Bessere globale Daten nötig

Während die Zahl der mysteriösen Fälle von Hepatitis bei Kindern steigt, ist die Datenlage weiter dünn. Denn viele Fälle sind unzureichend dokumentiert, wie EASL-Expertin Maria Buti und Philippa Easterbrook von der WHO, auf dem Internationalen Leberkongress in London betonen.

London
ILC 2022

Breakthroughs in hepatitis drugs at Europe's leading hepatology conference in London

New insights into treating hepatitis D and reducing liver fat will feature prominently at the ILC 2022 International Liver Congress, taking place June 22-26 at ExCel London. Other highlights: A new preventive treatment for liver transplant patients to help increase the pool of available donor organs. As well as results from a randomized controlled trial of a low-carbohydrate/high-fat diet and its effects on nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD), the world's fastest growing disease.
 

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ILC 2022

Durchbruch bei Behandlung von Hepatitis D und Verringerung von Leberfett erwartet

Neue Erkenntnisse über die Behandlung von Hepatitis D und die Verringerung von Leberfett stehen im Zentrum des internationalen Leberkongress ILC 2022, Europas führender Hepatologie-Konferenz. Andere Highlights: Eine neue präventive Behandlung für Lebertransplantationspatienten, die helfen soll den Pool an verfügbaren Spenderorganen zu vergrößern. Sowie Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie über eine kohlenhydratarme/fettreiche Ernährung und ihre Auswirkungen auf die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die weltweit am schnellsten wachsende Krankheit

 

Covid-19

Hohes Risiko von Leberversagen und Gallengangschädigung bei Patient:innen mit chronischer Lebererkrankung

Patient:innen mit chronischen Lebererkrankungen können infolge einer schwer verlaufenden Sars-Cov-2-Infektion Komplikationen der Leber erleiden. In einer Studie wies ein Forschungsteam um Lukas Hartl, Thomas Reiberger und Michael Trauner von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie von MedUni Wien und AKH Wien nach, dass es bei Vorerkrankungen der Leber auffallend häufig zu einer Erhöhung der Gallestauparameter und in weiterer Folge zu einer Gallengangschädigung, einer sekundär sklerosierenden Cholangitis (SSC), gekommen ist. Diese SSC tritt nach Covid-19 deutlich häufiger als nach anderen schweren Erkrankungen auf. Die Studie wurde im renommierten Journal Hepatology publiziert.

Bluttransfusion von Schaf zu Mensch
Transfusionsmedizin

Am Anfang war ein Schaf

Der 14. Juni, der Geburtstag des österreichischen Nobelpreisträgers und Entdeckers der Blutgruppen Karl Landsteiner, wurde von der Weltgesundheitsorganisation zum Weltblutspendetag ausgerufen. Ein wenig in Vergessenheit gerät dabei ein verhinderter englischer Arzt, der exakt vor 100 Jahren in London den weltweit ersten Blutspendedienst gegründet hat.

Ugur Sahin CEO BioNTech
mRNA-Impfstoff

Hoffnung in neuen Impfstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Wissenschaftler, die bereits den Corona-Impfstoff Pfizer-BioNTech entwickelt haben, haben Medienberichten zufolge einen Durchbruch bei der Krebsimpfung erzielt. Gemeinsam mit Ärzt:innen in New York entwickelten Sie einen Impfstoff für Patient:innen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Gender
Gendermedizin

„Eine junge Frau hat ohnehin keinen Herzinfarkt!“

Gendermedizin wurde lange eher als Orchideenfach betrachtet, mittlerweile ist die Akzeptanz unter Mediziner:innen aber stark gewachsen. Jürgen Harreiter arbeitet an der Gender Medicine Unit an der MedUni Wien und hat mit medinlive über das nach wie vor existierende Yentl-Syndrom, Medikamente mit unliebsamen Nebenwirkungen für Frauen und zu viel Vorsicht an der falschen Stelle gesprochen. 

(Eva Kaiserseder)
Vibratoren
Urologie

US-Forscher für Vibratoren auf Rezept

Mehr als nur Spaß: US-Forscher haben den gesundheitlichen Nutzen von Vibratoren untersucht. Dabei zeigte sich: Sie können die Beckenbodenmuskulatur stärken, Inkontinenz verbessern und sogar Schmerzen im Genitalbereich verringern. Die Wissenschafter plädieren daher für den „Vibrator auf Rezept“ - etwa bei Beckenbodenproblemen oder in der rekonstruktiven Chirurgie des Genitalbereichs.