Bedrohter Arzt im Iran
Bedrohter Arzt im Iran

121 Nobelpreisträger richten offenen Brief an Irans geistliches Oberhaupt

Der Arzt wurde während einer Kongressreise verhaftet. In einem offenen Brief an Ayatollah Ali Khamenei bittet ein Konsortium im Namen von 121 Nobelpreisträgern um seine Freilassung. 

red

In einem offenen Brief an Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei drängt ein Zusammenschluss von Nobelpreisträgern auf die schnellstmögliche Freilassung des im Iran inhaftierten und zum Tode verurteilten Arztes Ahmadreza Djalali. Der Gesundheitszustand des Arztes habe sich zuletzt rapide verschlechtert, heißt es in dem Brief. Djalali brauche dringend eine gute medizinische Betreuung. Das Konsortium fordert einen fairen Prozess für den Arzt, sowie seine Freilassung. Der Brief wurde von 121 Nobelpreisträger unterzeichnet.

Djalali ist während einer Kongressreise im April 2016 festgenommen worden. Er war gemeinsam mit Kollegen zu Seminaren nach Teheran und Schiras gereist. Er ist Katastrophenmediziner und unterstützt Krankenhäuser beim Umgang mit Opfern von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder bewaffneten Konflikten unter Bedingungen extremer Armut. Seine Ausbildung absolvierte er am Karolinska Institut in Schweden, seine Spezialisierung an der Universität des Piemont (CRIMEDIM), zuletzt arbeitete er in der Forschungsabteilung der Freien Universität Brüssel (VUB).

Einzelhaft und psychische Folter

Djalali wurde bei seiner Reise in den Iran von den iranischen Behörden verhaftetet und mehr als ein Jahr später wegen angeblicher „Spionage für Israel“ im Oktober 2017 wegen „Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat“ zum Tode verurteilten. Seit seiner Festnahme engagiert sich Amnesty International für den inhaftierten Arzt. Noch im November, nach dem Todesurteil, schrieben 75 Nobelpreisträger, ebenfalls federführend der britisch-amerikanische Biochemiker und Molekularbiologe Sir Richard Roberts, an den iranischen UN-Botschafter mit der Bitte, ihn freizulassen. Mitte Jänner dieses Jahres organisierten die schwedische Wissenschaftsakademie, Amnesty International sowie sein ehemaliger Arbeitgeber, das Karolinska Institut, eine gemeinsame Demonstration für Djalali.

Nach Informationen der WMA war Djalali sehr lange in Einzelhaft und psychischer Folter ausgesetzt. Mittlerweile hat die iranische Justiz alle Rechtsmittel gegen die Todesstrafe abgelehnt. Um auf seine Situation aufmerksam zu machen, ist Djalali mehrmals in Hunger- und Durststreik getreten. Er benötigt dringend medizinische Hilfe. Auch die „United Nations Working Group on Arbitrary Detention“ hat die Haftumstände von Djalali laut Aussendung der WMA schärfstens kritisiert. 

Ärztekammer ersuchte Republik Österreich um Unterstützung

Die Ärztekammer für Wien machte zuletzt Mitte September auf die Notlage des Wissenschafters aufmerksam. In einem damals an Außenministerin Karin Kneissl und den Präsidenten der Österreichischen Wirtschaftskammer Harald Mahrer adressierten offenen Brief ersuchte die Kammer dringend, sich für die Freilassung des Arztes nachhaltig einzusetzen. Unterschrieben wurde der Brief von Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sowie dem Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins Hemayat und Co-Gruppensprecher der ai-Medizinergruppe, Siroos Mirzaei.

Djalali, der schwedische Staatsbürger ist und mit seiner Frau und zwei Kindern in Schweden lebt, ist für die Ärztekammer „ein Gewissensgefangener des Iran“. Alle Fakten sprechen laut Szekeres und Mirzaei dafür, dass seine Tätigkeiten „ausschließlich einem medizinischen und humanitären Ziel geschuldet sind“. Auch habe er stets bestritten, für irgendwelche ausländischen Geheimdienste gearbeitet zu haben.

Weiterlesen:

Bericht in „nature“ über das Todesurteil des Arztes (Oktober 2017)

Ahmadreza Djalali
Der iranische Akademiker Dr. Ahmadreza Djalali ist zum Tode verurteilt worden.
Ahmadreza Djalali (Facebook privat)
Brief
Der Brief, der von dem britisch-amerikanischer Biochemiker und Molekularbiologen Sir Richard Roberts geschrieben wurde, wurde von 121 Nobelpreisträgern unterzeichnet.
Brief an Ayatollah Ali Khamenei, 9. Dezember 2018
 
© medinlive | 14.10.2019 | Link: https://medinlive.at/gesundheitspolitik/121-nobelpreistraeger-richten-offenen-brief-irans-geistliches-oberhaupt