Kompetenz ab der Volksschule

Essen lernen: Neun Empfehlungen zur „Ernährungsbildung“ vorgestellt

Wissen und Kompetenz in Sachen gesunder und nachhaltiger Ernährung wird bis dato vor allem zu Hause vermittelt, falls dies überhaupt der Fall ist: Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Pädagogik und Praxis wollen hier eine Änderung und empfahlen bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Wien eine stringente Unterweisung dieser Alltagskompetenz bereits ab der Volksschule.

red/Agenturen

Hauptaugenmerk der Zukunftsvisionen liegt auf dem Setting Schule: Die Themen Ernährung und Bewegung sollten sowohl im Unterricht als auch bei außercurricularen Angeboten fix berücksichtigt werden. Auch bei der Ausbildung der Pädagogen und einheitlichen, qualitativ hochwertigen Unterrichtsmaterialien für die gesamte Pflichtschulzeit müsse Ernährung stärker berücksichtig werden. Darüber hinaus plädieren die Spezialisten dafür, im Sinne des lebenslangen Lernens Angebote in Theorie und Praxis für alle Altersgruppen.

In der gesamten Pflichtschulzeit solle die Thematik vermittelt werden, so eine Forderung. Initiatorin Marlies Gruber, „Forum Ernährung heute“-Geschäftsführerin (f.eh), verwies auf die „großen Lücken“ bezüglich Wissen und Kompetenz, die im schulischen Regelbetrieb geschlossen werden sollten. Konsumenten benötigen das entsprechende Rüstzeug für verantwortungsvolle Kauf-, Ess- und Lebensstilentscheidungen. Die Basis dafür wird in der Kindheit gelegt, meist im Elternhaus.

Pädagogen wären diesbezüglich aktuell meist nicht besser gebildet als die Durchschnittsbevölkerung, hieß es. Zu den neun konkreten Empfehlungen zur Ernährungs- und Verbraucherbildung zählen neben der Aufnahme eines verpflichtenden Unterrichtsfachs in der Unterstufe, eine Intensivierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pädagogen und eine Verbesserung der Ausstattung zur Praxiserfahrung, etwa im Garten oder der Küche. Der direkte Bezug sei wichtig „für mündige junge Erwachsene“.

„Es geht nicht um Verbote“

Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien: „Es geht nicht um Verbote.“ Die schulische Bildung in diesem Bereich sei, „vorsichtig formuliert, verbesserungswürdig.“ Ein verpflichtendes Unterrichtsfach sei „der einzige Weg, diese Lücke aufzufüllen.“

„Wir erhoffen uns, dass wir alle Kinder erreichen - unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund“. Damit erreiche man „spürbare Effekte für das Ernährungs- und Gesundheitssystem“: Theres Rathmanner, Researcher an der FH St. Pölten und Initiatorin der „Schule des Essens“, setzt zum Beispiel auf „Herz, Hirn und Händchen“, wie sie erzählte. Sie vermittelt Wissen via multisensorischem Erleben inklusive Genuss.

Info:
www.forum-ernaehrung.at
www.schuledesessens.at

 

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Ein stringentes „Rüstzeug“ für Kauf-, Ess- und Lebensstilentscheidungen soll ab der Volksschule vermittelt werden.